Learning & Teaching KI in Studium und Lehre – Spannungsfelder intersektional gestalten

Transparenz und Dialog als Grundlage für wertschätzende Lern- und Lehrräume

Personen sitzen im Audimax an einem großen Tisch und diskutieren
ASH Berlin

Wie verändert Künstliche Intelligenz (KI) Studium und Lehre – und wie können Hochschulen diesen Wandel chancengerecht, diversitätssensibel und verantwortungsvoll gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 2. Juni 2026 die offene Austauschveranstaltung „KI in Studium und Lehre – Spannungsfelder intersektional gestalten“ im Audimax der ASH Berlin, die die Abteilung QME SuL ausgerichtet hat. Hochschulangehörige aus verschiedenen Mitgliedergruppen – darunter Studierende, Lehrende, wissenschaftliche Mitarbeitende sowie Mitarbeitende aus Service, Technik und Verwaltung – kamen zusammen, um Chancen, Herausforderungen und unterschiedliche Perspektiven auf den Einsatz von KI vor dem Hintergrund einer diversitätsorientierten, inklusiven und diskriminierungskritischen Gestaltung von Studium und Lehre zu diskutieren.

Die Veranstaltung war Teil desSommersemesterprogramms 2026 der Abteilung QME Studium und Lehre (QME SuL) zur Umsetzung des Leitbilds Lernen und Lehren und leistete damit einen Beitrag zur Bearbeitung des aktuellen Schwerpunktthemas „Diversität, Inklusion und Antidiskriminierung in Studium und Lehre“. Sie fand anlässlich derEinführung der KI-Richtlinien sowie der KI-Eigenständigkeitserklärung statt, die für alle wissenschaftlichen Arbeiten und alle Studiengänge, einschließlich der weiterbildenden Studiengänge der ASH Berlin verbindlich gilt.

Die Veranstaltung eröffnete einen Raum für kritischen Austausch und kollektive Reflexion über die Gestaltung von Studium und Lehre in Zeiten digitaler Transformation. Damit griff sie zentrale Anliegen des Leitbilds Lernen und Lehren auf: die Förderung von Teilhabe, die Anerkennung von Vielfalt und Schaffung von Chancengerechtigkeit sowie die gemeinsame Entwicklung zukunftsfähiger Lehr- und Lernkulturen.

Im Mittelpunkt standen Fragen zu wissenschaftlichem Arbeiten, Prüfungsgestaltung, Digital Literacy, diskriminierungssensibler KI-Nutzung sowie barrierefreier und barrierearmer Didaktik. An Thementischen, einer Fishbowl-Diskussion und über ein begleitendes Worry Board wurden Erfahrungen, Fragen und Spannungsfelder sichtbar gemacht und gemeinsam reflektiert.

Zwei Thementische, mehrere Spannungsfelder

Ein Thementisch, moderiert von Silke Abendschein und Franziska Müller, setzte sich mit Prüfungsgestaltung und wissenschaftlichem Arbeiten vor dem Hintergrund der KI-Richtlinien und der neuen Eigenständigkeitserklärung auseinander.

Diskutiert wurde unter anderem, welche Kompetenzen in einer von KI geprägten Lernumgebung besonders relevant bleiben und wie der Einsatz von KI so in die Lehre integriert werden kann, dass er Reflexion und kritisches Denken fördert. 

Auch das sogenannte Skill Skipping wurde thematisiert. Dabei werden Prozessschritte des wissenschaftlichen Arbeitens an die KI ausgelagert, beispielsweise das Lesen und Erschließen von Texten zu Beginn des Arbeitsprozesses. Wenn anstelle des Einübens der Lesekompetenz auf von KI erstellte Zusammenfassungen zurückgegriffen wird, fehlt möglicherweise die Grundlage, diese Ergebnisse kritisch zu beurteilen und einzuordnen. Dies betrifft insbesondere die Fähigkeit, die Qualität, Perspektivität und mögliche Verzerrungen der KI-generierten Inhalte zu erkennen. Auf diese Weise kann beispielsweise eine Fortschreibung von Diskriminierungen durch die unreflektierte Übernahme von KI-generierten Ergebnissen unerkannt bleiben.

Dem gegenüber steht die Erfahrung, dass Studierende vermehrt nach Schulungen zur Lesekompetenz fragen, weil sie erkannt haben, dass es immer bedeutender wird, in der Lage zu sein, etwaige KI-generierte Inhalte kritisch zu reflektieren und einordnen zu können.

Eine am Tisch anwesende Lehrperson zeigte anhand eines Beispiels aus ihrer eigenen Lehrpraxis auf, wie KI selbst zum Lerngegenstand werden kann: Studierende erstellen zunächst mithilfe einer KI einen Text und analysieren diesen anschließend kritisch, um sachliche Fehler, sprachliche Schwächen, Bias und diskriminierende Inhalte aufzudecken und gemeinsam zu besprechen.

Darüber hinaus wurde über den Einsatz KI-gestützter Übersetzung bei schriftlichen Arbeiten diskutiert. Insbesondere für Studierende, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, kann so der Zugang in die deutsche Wissenschaftssprache unterstützt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es transparente Kriterien und ein gemeinsames Verständnis darüber braucht, wie Eigenleistung unter den Bedingungen KI-gestützten Arbeitens bewertet werden kann.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Erwerb wissenschaftlicher Grundkompetenzen weiterhin zu stärken und Studierende sowie Lehrende gleichermaßen für einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI-gestützten Werkzeugen zu sensibilisieren. Die Entwicklung entsprechender Kompetenzen ist damit ein wesentlicher Bestandteil einer zukunftsorientierten Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre.

 

Am Thementisch 2 haben Daniel Klenke und Marlene Pardeller durch den Austausch geführt. Die teilnehmenden Personen – Studierende, Lehrende sowie Mitarbeiter_innen aus Service, Technik und Verwaltung – haben sich mit Kompetenzaufbau undDigital Literacy beschäftigt.

Dabei stand vor allem die Frage, welche Schlüsselkompetenzen im Kontext von KI und Digitalität erforderlich sind, im Vordergrund.

In der Diskussion wurde deutlich, dass ein Bedarf zur Wissensvermittlung über die Funktionsweisen von KI-Tools als grundlage für einen entsprechenden Kompetenzaufbau besteht. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technologien gemeinsam auszuloten – u. a. im Hinblick auf digitale Barrierefreiheit und auf Alternativen zu den dominierenden Online-Angeboten großer Tech-Unternehmen. Auch eine stärkere Sensibilisierung der Hochschulangehörigen zu den Themenbereichen Datenschutz und Datensouveränität wurde in diesem Rahmen als wichtig erachtet.

Die große Herausforderung besteht darin, Formate zu entwickeln, welche Studierende und Lehrende in ihrem Hochschulalltag erreichen. Deshalb erscheint es sinnvoll, zusätzlich zu Workshops auch über eine direkte Implementierung in Lehrveranstaltungen nachzudenken sowie Selbstlernkurse anzubieten, die flexibel und individuell zu einer für die Interessierten passenden Zeit zugänglich sind.

Ergebnisse

In der Diskussion wurde deutlich, dass ein dialogorientiertes Arbeiten notwendig ist, um die Spannungsfelder besser und gemeinsam zu navigieren. Zudem braucht es einen kontinuierlichen Austausch an der Hochschule, um die mit KI verbundenen Veränderungen insbesondere vor dem Hintergrund von Diversität, Inklusion und Antidiskriminierung in Studium und Lehre gemeinsam zu reflektieren und konstruktiv zu gestalten.

Die Fishbowl zum Abschluss verdeutlichte, dass demokratiestärkendes Lehren und Lernen einen kompetenten und reflektierten Umgang mit KI einschließen muss.

Durch den abschließenden Austausch wurde deutlich, dass zum einen die weitere Ausgestaltung der KI-Eigenständigkeitserklärung und zum anderen die Förderung von Schlüsselkompetenzen weiter im Fokus der Diskussion stehen sollten, um beides stärker im Studienalltag zu verankern.

Die Auseinandersetzung an diesem Vormittag war produktiv. Handlungsfelder und To-Dos wurden sichtbar, die – wenn sie gemeinsam gestaltet werden – die Hochschule auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Qualität(skultur) in Studium und Lehre weiterbringen können, und zwar Studierende, Lehrende und die Verwaltung gleichermaßen.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die gemeinsame Auseinandersetzung eine Chance ist, Prozesse gemeinsam zu gestalten, Herausforderungen zu benennen und dadurch auch bearbeiten und passgenaue Lösungen entwickeln zu können.

Ersichtlich wurde, dass sich die Herausforderungen und Potenziale des KI-Einsatzes in Lehre, Studium und Verwaltung unterschiedlich darstellen. 

Ausblick

Wichtig für die Zukunft ist, auf allen Ebenen Formate zu implementieren, die ein Lernen und Lehren mit und von KI ermöglichen, um nicht nur an der Hochschule, sondern auch im SAGE-Bereich professionell agieren und gestaltend mitwirken zu können.

Die Servicestelle für Schreib- und Studienkompetenzen hat mit der KI-Selbstlernfolie, Workshops in Kooperation mit der Bibliothek sowie Besuchen in Seminaren bereits erste Grundlagen geschaffen. Diese Angebote sollen kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Die Workshopformate werden auch im kommenden Wintersemester fortgeführt und auf Grundlage der Auswertung sowie der Bedarfe der Hochschulangehörigen – insbesondere der Lehrenden – weiterentwickelt.

Zudem sollen Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Hochschulgemeinschaft gesammelt und als Grundlage für die weitere Ausarbeitung und erneute Diskussion der KI-Eigenständigkeitserklärung im Sommersemester 2027 genutzt werden.

Informationen zu KI, Ausführungen zur Eigenständigkeitserklärung, Workshopankündigungen und die Selbstlernfolie zu KI finden sich auf der Seite der Servicestelle für Schreib- und Studienkompetenzen:
https://www.ash-berlin.eu/studium/beratung-unterstuetzung/foerderung-von-schreib-und-studienkompetenzen/ki-im-wissenschaftlichen-schreiben/

Auch die Bibliothek bietet regelmäßig Fort- und Weiterbildungen zu KI an:
https://www.ash-berlin.eu/studium/einrichtungen-fuer-studierende/bibliothek/schulungen/