Seitenwechsel „Wandel leben“: Ein zeitgemäßes Thema für Ergotherapeut*innen

So war die Studienfahrt zum Ergotherapie-Kongress des Deutschen Verbandes Ergotherapie

Teilnehmende der Studienfahrt auf einer Treppe
ASH Berlin

Vom 4.-6. Mai 2023 fand der diesjährige Ergotherapie-Kongresses 2023 des Deutschen Verbandes Ergotherapie (DVE) zu dem Motto „Wandel leben“. Ein zeitgemäßes Thema: vor allem für Ergotherapeut*innen, die ja selbst eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Anliegen und Bedürfnisse der Klient*innen, die Rahmenbedingungen und die Gesellschaft zeigen. Und die den notwendigen Wandel weiter vorantreiben und mitgestalten.

Der Kongress in Würzburg wurde eröffnet durch eine mitreißende Ansprache des Psychologen Georg Adelmanns, der zu einem Umdenken aufrief, insbesondere zum Wandel von Einstellung und Verhalten eines jeden Einzelnen im Hinblick auf die Umwelt. Er zeigte auf, wie die Schäden an der Natur zu weiteren Krisen führen werden, wenn nicht endlich ein Wandel eintritt. Ebenso ermutigte er, sich einerseits dem Wandel aber auch den eigenen Gefühlen zu diesem zu stellen, wie bspw. Hilflosigkeit, Ängste und Verunsicherung. Andererseits motivierte er die anwesenden Ergotherapeut*innen, dass persönliche Werte und Überzeugungen den Wandel zum Guten weiter vorantreiben.

Die Thematik „Wandel leben“ wurde über die nächsten Tage in Vorträgen und Workshops vertieft, denn klimatische Veränderungen bedrohen auch die Gesundheit der Klient_innen und Patient_innen in ergotherapeutischen Praxen. Es gab Beiträge und Diskussionen, was Ergotherapeut*innen in ihrem Berufsalltag und auf verschiedenen Handlungsebenen tun könnten. Auch andere aktuelle Anforderungen an Ergotherapeut*innen wurden aufgegriffen, so wie bspw. das multisystemische Krankheitsbild Long-COVID, wo Ergotherapeut*innen als Jobcoaches eine berufliche Wiedereingliederung zu unterstützen. Viele Kongressbeiträge beschäftigten sich auch mit dem Thema Diskriminierung, Rassismus und Sexismus. Die Themen wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln und in ihrem Bezug zur ergotherapeutischen Praxis diskutiert, wobei die Notwendigkeit des Bewusstmachens der eigenen Haltung deutlich wurde: um selbst-kritisch das eigene Verhalten zu reflektieren und entsprechend zu verändern.

Der Kongress bot vielfältige Gelegenheiten, nach den Präsentationen in den Dialog zu kommen und den facettenreichen Wandel zu besprechen, z.B. bei Formaten wie „Meet and Greet“ und „Informieren und Diskutieren“. Auch der Blick in den internationalen Bereich der Ergotherapie fehlte nicht. Die DVE-Arbeit mit dem Weltverband WFOT (World Federation of Occupational Therapists) oder ENOTHE (European Network of Occupational Therapy and Higher Education) und anderen Europäischen Initiativen wurde deutlich. Eine gutbestellte Fachausstellung mit vielen Anbietern rahmte den Kongress. Und auch hier präsentierte sich Wandel, zum Beispiel in der zunehmenden Digitalisierung.
 

Was sagen die Studierenden?

„Der DVE Kongress in Würzburg war für mich eine inspirierende Lernerfahrung. Neueste Forschung, Innovationen der therapeutischen Praxis und die Motivation die Ergotherapie zum Besten zu Wandeln an einem Ort vereint zu sehen, war großartig, aber auch fast erschlagend. In drei Tagen muss man Prioritäten setzen und ich habe vieles nicht sehen können, was ich mir gerne noch angeschaut und erfahren hätte. Jedem kann ich deswegen nur empfehlen, die Chance schon früher zu nutzen und auch schon im zweiten und vierten Semester den Kongress zu besuchen.“ (Leonie Luber, 6. Semester)

 

„Für mich war der Kongress ein großes Highlight. Es fühlte sich wirklich wie ein Familientreffen von Ergotherapeut:innen an, wie Andreas Pfeiffer (Vorsitzender des DVE) in seiner Eröffnungsrede sagte. Mich hat es sehr bewegt zu sehen, wie sich die Ergotherapie bemüht, sich an den Zahn der Zeit anzupassen und den großen Wissensdurst zu erleben, der sich v.a. in den Vorträgen und Themen zeigte. Die vielen aktuellen Themen und innovativen Therapiemittel haben mich sehr inspiriert, für die Theorie, aber auch für die zukünftige Praxis. Außerdem war es eine super Möglichkeit, Anregungen für die Bachelorarbeit zu sammeln und erste Kontakte für das spätere Berufsleben zu knüpfen.“

(Luisa Jung, 6. Semester)


„Am Kongress hat mir sehr gut gefallen, dass dort auf Themen wie Sexualität, Flucht und Diskriminierungskritik eingegangen wurde. Diese Themen fanden bisher im Studium keinen bis wenig Raum. Somit bot mir der Kongress neue Einblicke in Themen, welche mich interessieren und welche einen guten Zusatz zu den Inhalten des Studiums bieten.“

(Marlene Buchta)


„Ich bin so froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, zum Kongress zu fahren und kann es nur weiterempfehlen. Es waren Jung und Alt zusammen in einem erfrischenden Mix und es fühlte sich sehr herzlich, dynamisch und familiär an. Mir gefielen besonders die sehr unterschiedlichen Formate, ich habe Vorträge und Diskussionsrunden besucht, oft zu Themen, die sich erst im Dabeisein als interessant und inspirierend herausstellten. Manchmal bin ich nur hingegangen, um die Personen, von denen wir im Studium Texte gelesen haben, auch mal sprechen zu hören und ein Gesicht dazu zu bekommen. Es hat sich in jedem Fall gelohnt. Den DVE als Ausrichter des Kongresses fand ich sehr präsent und was mir besonders gefällt ist die Orientierung an aktuellen Themen.“
(Walburga Marsen, 5. Semester([Additive Studienform])

 

„Für mich war der Kongress eine intensive Erfahrung, die sehr gut zu meinem Motto dieses Semester gepasst hat ‘über den Tellerrand zu schauen‘. Es war erfrischend, sich mit anderen Lernenden auszutauschen und interessante Vorträge zu hören, die sich mit den aktuellen berufspolitischen und aktuellen präsenten Themen der Ergotherapie befassen. Es hat sich für mich als Person, die noch nicht in dem Beruf tätig ist, definitiv gelohnt, die Veranstaltung zu besuchen. Ich hatte so die Möglichkeit, in den Gesundheitsberuf und zukunftsorientierte Themen reinzuschnuppern, mit denen ich als zukünftige Ergotherapeutin zu tun haben werde. Ich hatte einige Aha-Momente, die mich sicherlich noch lange begleiten werden, so beispielsweise, dass Ergotherapie eine Disziplin im Wandel mit vielen Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten ist.“

(Anna-Lina Bombis, 6. Semester)


„Ich fand es super schön, mal so viele Ergotherapeut*innen auf einmal um sich herum zu haben, die alle die gleiche Begeisterung für einen gemeinsamen Beruf und ähnliche Werte und Interessen mitbringen. Gefühlt war dadurch direkt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ein gegenseitiges Grundverständnis und eine Sympathie füreinander vorhanden. Durch die verschiedenen Vorträge wurde mir wieder bewusst, wie breit und vielseitig unser Tätigkeitsfeld als Ergotherapeut*innen eigentlich ist. Es wurden viele Themen angesprochen und diskutiert, die ich vorher nie mit Ergotherapie in Verbindung gebracht hätte. Das fand ich sehr spannend und motivierend! Am besten haben mir die Erfahrungsberichte von Betroffenen gefallen, die ihre Schwierigkeiten und ihren Umgang mit ihrer Krankheit erzählt haben.“

(Ulrike Tewes, 2. Semester)


„Viel Theorie, spannende Themen, aber sehr wenig Zeit zur Vertiefung, viel zum Lernen: so sieht unser aktuelles Semester aus. Da war die Fahrt zum Kongress dieses Jahr eine willkommene Ablenkung. Uns wurde schon begeistert davon berichtet, deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht. Und was soll ich sagen, wir wurden nicht enttäuscht. Einmal ein wenig Luft schnuppern, was uns da so in den Praktika und später im Berufsalltag erwartet. Aber vor allem die neuesten Forschungsprojekte zu erkunden, fand ich unglaublich inspirierend. Ergos aus ganz Deutschland haben ihre Forschungsprojekte vorgestellt, eigene Erfahrungen geteilt, neue Modelle vorgestellt und vieles mehr. Was auch total interessant war: die neuesten Hilfsmittel, die man selbst ausprobieren konnte. Damit kamen wir im Studium bisher so gar nicht in Kontakt, weshalb ich so begeistert war. Also: nächstes Jahr gerne wieder und dann mit eigener Erfahrung und mehr Wissen im Kopf auch an Diskussionen teilnehmen oder Workshops besuchen :)“

(Mia Bärnreuther, 2. Semester)


„Mir haben besonders die vielseitigen Vorträge gefallen, die nicht nur sehr informativ waren, sondern mir auch einen tieferen Einblick in das Berufsleben und die unterschiedlichsten Berufsfelder geboten haben. Dabei hat mir gefallen, dass auch auf das Publikum eingegangen wurde und von deren Seite auch Anregungen kamen. Des Weiteren gab der Kongress mir die Möglichkeit, mit anderen Ergos in Austausch zu gehen.“

(Adelina Voigt, 2. Semester)

 

„Meine diesjährigen Highlights beim DVE-Kongress waren das DGEW-Symposium sowie der Eröffnungsbeitrag des Psychologen und Aktivisten Georg Adelmann. Es wurde deutlich, wie politisch Ergotherapie sein kann und sein sollte und wie wichtig (interdisziplinärer) Austausch und gemeinsames Nachdenken und Ermuntern zum Handeln ist. Nach diesem emotional-inspirierenden Start folgten zukunftsweisende fachliche Beiträge während der nächsten Kongresstage. Ich freue mich sehr, dass ich vor dem Ende meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin die Gelegenheit der Studienreise noch einmal wahrnehmen und Gedanken bezüglich meiner eigenen professionellen Identität aus Würzburg mitnehmen konnte.“

(Merle Kuckulenz, 6. Semester)


„Ich fand den Kongress sehr eindrucksvoll und fand es spannend Felder der Ergotherapie neu zu entdecken. Besonders die Beiträge von zwei betroffenen, die über den Umgang mit ihrer Krankheit gesprochen haben, haben mich berührt.“ (Karla Dettmann, 2. Semester)


„Die meisten Vorträge und Stände mit den verschiedensten Schwerpunkten waren sehr interessant und ich fand es spannend, einiges selbst ausprobieren zu dürfen. An den Vorträgen faszinierte mich wie die Leute mit so viel Energie und Freude sie über ihre Themen sprachen und das Publikum damit ansteckten. Ebenfalls fand ich es schön, durch kurze Arbeitssequenzen oder Übungen mit in die Thematik geholt worden zu sein. In einigen Gesprächen mit anderen Lernenden wurde mir klar, dass ich durch den Studiengang, Unterrichtsstoffen schon viel Wissen erlangt und ein kritisches Denken entwickelt habe. Dies wurde mir erst nach der Fahrt so wirklich bewusst. Dadurch bin ich froh, an der Kongressfahrt teilgenommen zu haben und viele Erfahrungen sammeln durfte.“

(Sophia Elß, 4. Semester)


„Auch dieses Jahr war der DVE-Kongress wieder eine inspirierende und motivierende Erfahrung für mich. Bereits im Eröffnungsvortrag von Georg Adelmann (einem psychologischen Psychotherapeuten in Ausbildung, der sich u.a. bei den Psychotherapists for Future engagiert) wurden die (gesellschafts-)politischen Aspekte und Verantwortungen, aber auch die Chancen und Möglichkeiten der zukünftigen Ergotherapie thematisiert. Es folgten drei Tage voller spannender und progressiver Beiträge, wobei mich dieses Jahr insbesondere die Inhalte nachhaltig beschäftigten, die sich kritisch (selbst)reflektiert und wissenschaftlich fundiert mit unserer Profession und deren Domäne, der Betätigung, auseinandersetzten. Auch von den Beiträgen und wertvollen Perspektiven der Angehörigen anderer Professionen (Soziologie, Medizin etc.) konnte ich viel mitnehmen. Es war außerdem toll, andere Lernende aus ganz Deutschland persönlich kennenzulernen, sich mit ihnen austauschen zu können und so erste Kontakte außerhalb des eigenen Studiengangs zu knüpfen. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!“

(Thomas Strecker, 4. Semester)