Seitenwechsel „Als größter Arbeitgeber in Marzahn-Hellersdorf möchten wir die Menschen von hier unterstützen“

Interview mit Carsten Seide vom BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin, das der ASH Berlin ein Deutschlandstipendium zur Verfügung stellt

Die ASH Berlin beteiligt sich am Deutschlandstipendium und fördert sozial engagierte ASH-Studierende aus den Bachelorstudiengängen sowie den konsekutiven Masterstudiengängen, die besondere soziale, familiäre und persönliche Umstände meistern. Die einkommensunabhängige Förderung in Höhe von monatlich 300 Euro teilen sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie private Stifter_innen bzw. potentielle Arbeitgeber_innen mit Förderinteresse. An der ASH Berlin zählen zu den Förderern derzeit das BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin, die Ferdinand und Charlotte Schimmelpfennig-Stiftung sowie das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialwissenschaften (BIGSo GmbH). Wie es dazu kam, dass sich das Unfallkrankenhaus am Deutschlandstipendium beteiligt, wollte Kerstin Miersch, die Alumnimanagerin der ASH Berlin, von Carsten Seide wissen. Er leitet am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin die praktische Ausbildung der Gesundheitsfachberufe. 

Herr Seide, wie kam es dazu, dass das BG Unfallkrankenhaus Berlin der ASH Berlin ein Deutschlandstipendium zur Verfügung stellt?

Carsten Seide: Das ergab sich bereits im Jahr 2016 durch unsere Geschäftsführung und Prof. Dr. Uwe Bettig von der ASH Berlin. Sowohl das BG Unfallkrankenhaus Berlin als auch die ASH Berlin wirken im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und kooperieren seit langem miteinander. Wir wollten noch enger mit Ihrer Hochschule zusammenarbeiten. Mit dem Deutschlandstipendium haben wir einen Kooperationsbaustein mehr. Als größter Arbeitgeber in Marzahn-Hellersdorf möchten wir Menschen unterstützen, die hier aufgewachsen sind oder die hier gelernt haben. Mit dem Deutschlandstipendium können Studierende gefördert werden, die besondere soziale Lebenslagen bewältigen müssen, die etwa mit einer Behinderung leben und gesellschaftlich engagiert sind. Gleichfalls ermöglicht dies dem Arbeitgeber, Talente zu fördern und gut ausgebildete Fachkräfte zu binden. 

Was ist das Besondere am Profil des BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin?

Wir sind ein Akutklinikum im Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung, den BG Kliniken. In Deutschland gibt es insgesamt neun Unfallkliniken, die die medizinische Versorgung von Patient_innen, insbesondere denen der gesetzlichen Unfallversicherung, sicherstellt. Etwa 15 Prozent unserer Patient_innen werden nach Arbeitsunfällen bei uns eingeliefert. Wir sind spezialisiert in der Versorgung von komplexen Handverletzungen, Querschnittslähmungen und schweren Brandverletzungen. Dabei leisten wir nicht nur die medizinische Akutversorgung, sondern auch die medizinische Rehabilitation und die soziale und berufliche Wiedereingliederung, und das alles aus einer Hand. Das ist unsere große Besonderheit. 

Gibt es deshalb auch eine Schwimmhalle und Sportangebote?

Normalerweise sind Reha-Einrichtungen immer vom Krankenhaus getrennt. Durch die Spezialisierung auf die Aktutversorgung in Kombination mit der Rehabilitation schwerverletzter und berufserkrankter Patient_innen können wir die Rehamaßnahmen hier am Campus durchführen. Deswegen unterhalten wir hier Schwimmhallen und auch Räume für Sporttherapie mit Fitnessgeräten. Eine weitere große Besonderheit sind unsere sogenannten Kulissenarbeitsplätze, die eine Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz ermöglichen sollen. So haben wir etwa ein Gebäude, auf dem Dachdecker_innen, von unseren Therapeut_innen begleitet, ihre Tätigkeit wieder einüben können. Wir haben auch einen Lkw, wo Lkw-Fahrer_innen das Ein- und Aussteigen üben können. 

Wir sind ebenfalls zur Nachsorge verpflichtet. In Kooperation mit einer Fahrschule kann behindertengerecht der Führerschein erworben werden. Die Therapeut_innen fahren, wenn nötig, auch zu den Versicherten nach Hause und prüfen, ob Umbaumaßnahmen notwendig sind, um Heimarbeitsplätze und behindertengerechte Eingänge zu schaffen. In unserem Übungsbad kann geschaut werden, ob der Einstieg in die Badewanne aus dem Rollstuhl möglich ist oder Umbaumaßnahmen durchgeführt werden müssen. Wir haben auch eine Prothesenwerkstatt. Erst, wenn alles geklärt ist, werden die Personen wieder in die Häuslichkeit entlassen. Da sind wir wieder bei unserem Grundsatz: alles aus einer Hand, alles erfolgt hier auf dem Gesundheitscampus.

Wer macht den Hauptteil der Patient_innen aus, die keine Unfallversicherungspatient_innen sind?

Wir sind ein sogenannter Maximalversorger und verfügen über ein breites Leistungsspektrum. Die meisten Betten haben wir in der Unfallchirurgie, wir unterhalten aber auch eine große Neurologie und eine große Klinik für Kardiologie und Innere Medizin. Unsere Rettungsstelle stellt unser Herzstück dar. Über das gesamte Jahr gesehen kommen dort über 65.000 Patient_innen zu uns.

Wie viele Menschen arbeiten im Unfallkrankenhaus und welche Berufsgruppen sind es?

Wir beschäftigen über 2.500 Personen: Pflegefachpersonen, Ärzt_innen, Physiotherapeut_innen, Ergotherapeut_innen, Logopäd_innen, Servicekräfte, einen Sozialdienst, IT-Fachkräfte, Verwaltungsmitarbeitende und viele weitere Berufsgruppen.

Und forschen Sie auch?

Ja, wir haben ein Zentrum für Klinische Forschung, das beispielsweise zu Medikamenten und Medizinprodukten forscht oder auch Beobachtungsstudien durchführt.

Was macht es besonders attraktiv am Unfallkrankenhaus zu arbeiten?

Wir sind sehr gut ausgestattet: Wenn man das Haus betritt, hat man nicht gleich das Gefühl, ein Krankenhaus zu betreten. Wir möchten eine offene Willkommenskultur und eine gute Teamkultur leben. Auch die Ausstattung und die Qualität dessen, womit unsere Mitarbeitenden arbeiten können, ist in meinen Augen wirklich sehr gut. Wenn Herausforderungen auftreten, können sie schnell angesprochen werden, da wir eine flache Hierarchie haben und dementsprechend Dinge bestenfalls schnell gelöst werden können.

 

Die Fragen stellte Kerstin Miersch.

 

Carsten Seide
Leiter praktische Ausbildung der Gesundheitsfachberufe
BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin
carsten.seide@ avoid-unrequested-mailsukb.de

Kerstin Miersch
Alumnimanagerin und Ansprechpartnerin für das Deutschlandstipendium
Alice Salomon Hochschule Berlin
alumni@ avoid-unrequested-mailsash-berlin.eu