Forschung Jungen*pädagogik und Prävention von sexualisierter Gewalt

Ein Forschungsprojekt zu Wissen und Leerstellen in der Praxis

Foto: ASH Berlin
Foto: ASH Berlin

Am 1. April 2018 startete das Forschungsprojekt „Jungen*pädagogik und Prävention von sexualisierter Gewalt – Potenziale und Herausforderungen männlichkeitsbezogener Jugendarbeit, Sexualpädagogik, Prävention sexualisierter Gewalt sowie queerer Bildung“, eine Kooperation zwischen der ASH Berlin und Dissens – Institut für Bildung und Forschung e. V. (Berlin).  Gesamtziel des Projekts ist es, in einem qualitativen Praxis-Forschungsprozess die pädagogischen Angebote aus den vier Praxisfeldern Jungen*arbeit, Sexualpädagogik, Präventionsarbeit zu sexualisierter Gewalt sowie queerer Bildung hinsichtlich der Prävention sexualisierter Gewalt an männlichen* Kindern und Jugendlichen weiter zu professionalisieren. Dazu werden die spezifischen Potenziale und Herausforderungen der Angebote von acht Praxispartner_innen aus den genannten Feldern analysiert. Leitende Forschungsfrage ist, welches Wissen und welche Leerstellen zu sexualisierter Gewalt an männlichen* Kindern und Jugendlichen vorhanden sind.

In den vier Praxisfeldern sind bereits verschiedene pädagogische Aspekte (Zugänge, Methoden und/oder Praxen) vorhanden, die z. B. das Potenzial in sich tragen, männliche* Kinder und Jugendliche

·         dazu zu befähigen, Gewaltwiderfahrnisse als solche einzuordnen,

·         von Männlichkeitsanforderungen zu entlasten, die eine Auseinandersetzung mit Gewaltwiderfahrnissen erschweren,

·         in ihrer Selbstbestimmung in Bezug auf ihren Körper oder auf ihr sexuelles Selbstverständnis und Begehren zu stärken,

·         dazu anzuregen, in Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu treten.

Die unterschiedlichen Wissensbestände aus diesen Praxisfeldern werden im Rahmen des Projekts untersucht und miteinander in Beziehung gesetzt. In einem gemeinsamen Reflexionsprozess (reflecting groups) werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Wissenschafts-Praxis-Transfer an die Praxispartner_innen zurückgespielt und für die Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte genutzt.

Methodisch kommt eine Triangulation aus Teilnehmender Beobachtung bei pädagogischen Veranstaltungen, leitfadengestützten Einzelinterviews mit Pädagog_innen bezüglich deren Wissen und Erfahrungen und Gruppeninterviews mit pädagogischen Teams zu deren Haltungen und Orientierungen zum Einsatz. Eine inhaltliche Grundlage des neuen Bildungsforschungsprojekts stellen die im Projekt „Aufdeckung und Prävention von sexualisierter Gewalt gegen männliche Kinder und Jugendliche“ (Dissens, 2013–2016, siehe: https://aup.dissens.de/) gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Thematisierung und Prävention sexualisierter Gewalt an Jungen* dar.

 

(Dieser Beitrag erschien erstmals in der alice 36 im Wintersemester 2018/19.)