Wie können Kinder und Jugendliche demokratische Teilhabe erleben? Welche Rolle spielen pädagogische Fachkräfte bei der Gestaltung demokratischer Bildungsorte? Und wie kann die Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen in inklusiven Ganztagsschulen gelingen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 3. Juni 2026 über 300 Studierende, Auszubildende, Lehrende und pädagogische Fachkräfte beim 4. Berliner Pädagog:innen und Fachtag des Fachbereichs II der Alice Salomon Hochschule (ASH) Berlin.
Organisiert wurde die Veranstaltung von der ASH Berlin und dem Projekt TransDeBiFo gemeinsam mit der Serviceagentur Ganztag Berlin, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sowie der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik. Gemeinsam mit den langjährigen Partnern FU Berlin und HU Berlin wurden unterschiedliche pädagogische Professionen zusammengebracht, um den Austausch bereits in der Ausbildungs- und Studienphase zu fördern.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Frage, wie Demokratiebildung und Partizipation im Alltag inklusiver Ganztagsschulen gelebt werden können. Die Teilnehmenden diskutierten die Bedeutung von Beteiligung, Mitbestimmung und demokratischer Verantwortung in pädagogischen Handlungsfeldern. In ihrem gemeinsamen Auftakt betonten die Veranstalter_innen, dass Ganztagsschulen von unterschiedlichen Professionen gestaltet werden und erfolgreiche Zusammenarbeit und Austausch bereits in Ausbildung und Studium angebahnt werden müssen. Der Berliner Pädagog:innentag verstehe sich deshalb als Ort der Begegnung und des multiprofessionellen Austauschs.
Ausgangspunkt der fachlichen Diskussion waren drei zentrale Thesen:
„Pädagogik braucht Demokratie – und Demokratie braucht Pädagogik.“
„In einer demokratisch verfassten Gesellschaft ist es selbstverständlich, dass demokratisches Handeln und Mitbestimmung in Kita und Grundschule handlungsleitend sind.“
„Wenn Kinder so viel Zeit in der Ganztagsschule verbringen, ist es essenziell, dass sie sie auch mitgestalten.“
Prof. Dr. Michael Brodowski von der ASH Berlin betonte: „Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Bildungseinrichtungen. Kinder und Jugendliche müssen erleben, dass ihre Stimmen gehört werden und sie ihre Lebens- und Lernwelt mitgestalten können. Dafür braucht es pädagogische Fachkräfte, die Beteiligung ermöglichen und demokratische Prozesse aktiv begleiten.“
In insgesamt 13 Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Facetten demokratischer Bildung und professioneller Zusammenarbeit auseinander. Themen waren unter anderem Ausgrenzung und Diskriminierung, Beschwerdewege als Ausdruck gelebter Kinderrechte, demokratische Teilhabe von Beschäftigten an Schulen, Kommunikation in heterogenen Gruppen, multiprofessionelle Kooperation, Resilienz im pädagogischen Alltag sowie Zukunftsperspektiven für Schule und Ganztag. Weitere Workshops widmeten sich der Frage, wie Partizipation Fachkräfte entlasten kann, wie demokratische Schulentwicklung gelingt und welche Rolle Lernwerkstätten als Orte gelebter Beteiligung spielen. Teilnehmende diskutierten darüber, was gute Demokratiebildung im Ganztag auszeichnet.
Der Berliner Pädagog:innentag brachte Fachkräfte, Studierende der Sozialen Arbeit, Kindheitspädagogik und des Grundschullehramts sowie Erzieher_innen in Ausbildung zusammen. Die multiprofessionelle Zusammensetzung der Gruppen ermöglichte Perspektivwechsel und förderte das Verständnis für unterschiedliche professionelle Perspektiven und Aufgaben in Ganztagsschulen. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse der Workshops im Rahmen eines Gallery Walks präsentiert und in offenen Vernetzungsräumen weiter vertieft. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, eigene Themen einzubringen, Ideen aus den Workshops weiterzuentwickeln und neue Kontakte für Studium, Ausbildung und Berufspraxis zu knüpfen.
Der 4. Berliner Pädagog:innentag ist zugleich Teil der Aktivitäten des Forschungsprojekts „Transdisziplinäre Demokratie- und Bildungsforschung“ (TransDeBiFo) an der ASH Berlin. Mit Formaten wie dem Berliner Pädagog:innentag stärkt die Hochschule den Dialog zwischen Wissenschaft, Ausbildung und Praxis und leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung demokratischer, inklusiver und multiprofessionell gestalteter Bildungslandschaften.
Das Projekt TransDeBiFo wird im Rahmen der Förderlinie HAW-ForschungsraumQualifizierung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Mit TransDeBiFo etabliert die ASH Berlin einen dauerhaft angelegten, national und international vernetzten Forschungs- und Qualifikationsraum und stärkt ihre Rolle als zentrale Akteurin für Demokratie-, Bildungs- und Sozialforschung.