Erstmals wird 2026 von der Senatorin für Wissenschaft, Dr. Ina Czyborra, der Berliner Landeslehrpreis verliehen. Er unterstreicht die besondere Bedeutung der Hochschullehre für den Wissenschaftsstandort Berlin und setzt einen wichtigen Impuls, sich über den eigenen Lehrbereich hinaus für exzellente Lehre zu engagieren. Zudem werden ausgewählte Beispiele guter Praxis und Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Hochschullehre einer breiten Fachöffentlichkeit im Rahmen eines Fachtages präsentiert und der Austausch über innovative Lehrformate an Berliner Hochschulen gefördert.
Im hochschuleigenen Auswahlverfahren hat die ASH Berlin vier herausragende Lehrprojekte aus 14 eingereichten Projekten ausgewählt und offiziell für die finale Bewertung beim Berliner Landeslehrpreis nominiert. Die ausgewählten Projekte überzeugen durch hohes Innovationspotenzial, eine starke Didaktik und Studierendenzentrierung. Sie zeigen beispielhaft, wie zukunftsorientierte Hochschullehre heute aussehen kann.
Nominierte Lehrprojekte
Die vier eingereichten Lehrprojekte gehören zu den folgenden drei Kategorien:
Beste Lehre, die Grundlagenwissen und -kompetenzen vermittelt:
Prof. Dr. Susanne A. Benner, Einführung in das Recht, Bachelorstudiengang Soziale Arbeit
Beste Lehre, die die selbständige Hervorbringung, Generierung oder (künstlerische) Interpretation von Wissen und Kompetenzen fördert:
Prof. Dr. Julia Franz: Kritische Lektüre von Falldokumentationen: Diskriminierungskritik und professionelle Handlungskompetenz, Bachelorstudiengang Soziale Arbeit
Prof. Dr. Mart Busche, Lilian Franck: Soziale Arbeit und sexuelle Bildungsarbeit – analog, digital, medial, Bachelorstudiengang Soziale Arbeit
Beste Lehre, die die Anwendung, den Transfer oder das Vertiefen von Wissen und Kompetenzen fördert:
Prof. Dr. André Heinz, Wibke Hollweg: Technik und Innovation im Gesundheitswesen, Bachelorstudiengang Interprofessionelle Gesundheitsversorgung online (IGo)
Hochschulinternes Auswahlverfahren
Die Nominierungen erfolgten über ein strukturiertes hochschulinternes Verfahren, das zu Beginn des Wintersemesters 2025/26 gestartet wurde.
- Studierende und Lehrende konnten bis 1. Dezember 2025 Vorschläge einreichen.
- Lehrende wurden informiert und reichten vollständige Bewerbungsunterlagen bis 12. Januar 2026 ein.
- Die Jury bestand aus der Vizepräsidentin Studium, Lehre und Digitalisierung, den Prodekan_innen beider Fachbereiche, Studierendenvertretungen aus beiden Fachbereichen, der Leiterin der Abteilung QME SuL sowie der Frauen*- und Gleichstellungsbeauftragten.
- Studierende waren aktiv in die Auswahl eingebunden – sowohl bei Vorschlägen für einzureichende Lehrprojekte als auch als stimmberechtigte Jury-Mitglieder.
Bewertungskriterien
Die Projekte wurden nach den offiziellen Kriterien des Landeslehrpreises mit folgender ASH-interner Gewichtung bewertet:
- Qualität der Didaktik (45 %) – z. B. Lernziele, Methoden, Kompetenzförderung
- Studierendenzentrierung (35 %) – z. B. Lernprozess, Aktivierung, Mitgestaltung
- Innovation (10 %) – z. B. neue Formate und Methoden
- Transferpotenzial (10 %) – z. B. Übertragbarkeit auf andere Studiengänge
Warum diese Projekte ausgewählt wurden
Die nominierten Lehrprojekte verbinden innovative Formate mit starker Didaktik und setzen die Studierenden in den Mittelpunkt. Sie fördern eigenständiges Lernen, kritisches Denken und die Verbindung von wissenschaftlicher Qualifizierung mit praxisrelevanter Handlungskompetenz. Digitale und analoge Methoden werden sinnvoll kombiniert und gezielt auf unterschiedliche Lerngruppen abgestimmt.
Ein besonderes Highlight ist das Transferpotenzial: Die Ansätze lassen sich leicht auf andere Studiengänge und Fachbereiche übertragen, was die Lehrqualität an der ASH nachhaltig stärken kann.
Die Projekte greifen das SAGE-Profil der Hochschule auf, indem sie gesellschaftliche Relevanz, Anwendungsorientierung, Gestaltungsfähigkeit und Engagement miteinander verbinden. Sie können Impulse für die Weiterentwicklung einer innovativen Lehr- und Lernkultur setzen und Perspektiven für eine nachhaltige Verankerung eröffnen.
Übereinstimmung mit dem Leitbild
Die Projekte entsprechen dem Leitbild Lernen und Lehren der ASH Berlin, das eine diskriminierungskritische, partizipative und diversitätsorientierte Lernkultur fördert. Die Projekte setzen diese Prinzipien in die Praxis um, indem sie aktive Lernprozesse gestalten, vielfältige Perspektiven einbeziehen und die Bedürfnisse einer diversen Studierendenschaft berücksichtigen. Praxisbezüge werden integriert und die Hochschule als lernende Organisation gestärkt.
Vor diesem Hintergrund ist das Präsidium überzeugt, dass die eingereichten Lehrprojekte die Kriterien des Landeslehrpreises in herausragender Weise erfüllen und eine Auszeichnung verdienen.
Einblicke in Lehrprojekte
Im Folgenden geben die nominierten Lehrenden selbst einen kurzen Einblick in ihre Lehrprojekte und berichten, welche Ideen und Konzepte sie besonders motivieren:
Prof. Dr. Susanne A. Benner: Recht kreativ lehren – wie „Einführung in das Recht“ lebendig wird
„Ausgangspunkt der von mir konzipierten Lehrveranstaltung zur Einführung in das Recht ist die Erfahrung, dass viele Studierende der Sozialen Arbeit juristische Inhalte und auch die Fachsprache als „trocken“ und schwer zugänglich wahrnehmen.
Ziel des nominierten Lehrprojekts, das sich an Studierende des 1. Fachsemesters richtet, ist es daher, Recht als lebendiges, professionsrelevantes Handlungsfeld erfahrbar zu machen und Lernbarrieren abzubauen, wobei dafür die Potenziale kreativer Zugänge genutzt werden.
Die Lehrveranstaltung folgt einem studierendenzentrierten, kompetenzorientierten Ansatz, der juristische Systematik konsequent mit kreativen und narrativen Methoden verbindet. Zum Einsatz kommen u. a. Akrosticha zu Rechtsbegriffen, Termini-Tabu, Gesetzesminiaturen zur Analyse von Normstrukturen, narrative Transformationen, wie z.B. märchenhafte Grundrechtserzählungen, Law-in-Literature-Analysen sowie szenisches Schreiben zu berufstypischen Situationen. Die Methoden sind im Sinne einer didaktischen Progression angeordnet, die von einer niedrigschwelligen Aktivierung über sprachliche Transformation bis hin zur Anwendung und Reflexion führt.
Das Innovationspotenzial liegt in der systematischen Integration kreativer Methoden in die rechtswissenschaftliche Lehre sowie in der Verbindung von Fachlernen, Sprachverständnis und diskriminierungssensibler Reflexion. Recht wird nicht nur verstanden, sondern adressat:innengerecht formuliert und im sozialarbeiterischen Kontext angewandt. Im Rahmen der Lehrveranstaltung wird eine diversitätssensible und aktivierende Hochschullehre umgesetzt.“
Prof. Dr. Mart Busche & Lilian Franck: Soziale Arbeit und sexuelle Bildungsarbeit – analog, digital, medial
„Die Nominierung durch unsere Studierenden motivierte uns zur Bewerbung, um das übertragbare Studiendesign auch für andere zugänglich zu machen. Das Projektseminar zeigt, wie Studierende in einem politisierten, sensiblen Feld professionell handeln und Verantwortung übernehmen – in einer fehlerfreundlichen Lernkultur und bei klarer Absicherung durch das Lehrteam für Schutz und Standards.
Didaktisch arbeiten wir mehrsemestrig in einem strukturierend offenen Lernsetting mit klaren Meilensteinen, transparenten Kriterien und kontinuierlichem, gegenseitigem Feedback. Studierende gestalten Inhalte mit, analysieren Materialien der Sexuellen Bildung machtkritisch und intersektionalitätssensibel und bearbeiten professionsethische Dilemmata.
Innovativ ist die Verbindung von strukturierter Selbststeuerung, Team-Teaching und projektbasierter Leistungsprüfung, die Lernziele in öffentliche, adressat*innengerechte Produkte überführt (Kurzfilm, Ausstellung, Social Media, Reader, Methoden).
Zentral ist der Transfer in ein reales Bildungsformat: eine von den Studierenden entwickelte öffentliche Fachveranstaltung, getragen vom gesamten Seminar. Dabei übernehmen sie Verantwortungsrollen und reflektieren Entscheidungen iterativ. Das Seminar mündete in einen erfolgreichen, gut besuchten Fachtag zu Antifeminismus. So entsteht ko-konstruktive Wissensproduktion, die fachliche Standards sichert und Kontroversen professionell bearbeitbar werden lässt.“
Prof. Dr. Julia Franz: Kritische Lektüre von Falldokumentationen: Diskriminierungskritik und professionelle Handlungskompetenz
„Dass eine Lehrveranstaltung zu dem scheinbar trockenen Thema Falldokumentationen von Studierenden für den Lehrpreis nominiert wurde, freut mich wirklich sehr. Als Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Fallverstehen ist es mir wichtig, ein kritisches Bewusstsein von Falldokumentationen wie Hilfeplänen, Entwicklungsberichten und Epikrisen zu fördern sowie einen professionellen, diskriminierungssensiblen Umgang. Der didaktische Ansatz meiner Lehrveranstaltung ist eine Kombination aus handlungsfeldübergreifendem Austausch, einer historischen Perspektive, Close Reading und einer Schreibwerkstatt. Innovativ ist der praxisorientierte Ansatz einer Selbstkritik, die zu Veränderungen im Berufsalltag führen kann. Wir reflektieren, dass Standardformulierungen zwar kurzfristig entlasten, aber die Nachvollziehbarkeit von Situationen und Perspektiven der Adressat:innen erschweren und zu Folgeproblemen führen. Durch eine Dekonstruktion von Fallakten, in der Gegenüberstellung mit Selbstzeugnissen und in der Schreibwerkstatt lernen Studierende, machtvolle Fallkonstruktionen analytisch zu greifen und neue Schreibweisen zu entwickeln.“
Prof. Dr. André Heinz & Wibke Hollweg: Technik und Innovation im Gesundheitswesen
„Mit unserer Bewerbung möchten wir die Relevanz digitaler Technologien und innovativer Unterstützungssysteme für die Gesundheitsversorgung sichtbar machen. Gerade berufstätige Studierende aus Pflege- und Therapieberufen benötigen Kompetenzen, um digitale Transformation nicht nur nachzuvollziehen, sondern aktiv mitzugestalten. Unser Lehrprojekt stärkt Studierende als bereits qualifizierte zukünftige Praktiker:innen, die technologischen und digitalen Neuerungen in ihren Arbeitsfeldern kritisch, ethisch reflektiert und zugleich offen erproben und bewerten können.
Das Modul „Technik und Innovation im Gesundheitswesen" verbindet asynchrone Selbstlernphasen, synchrone Austauschformate, Präsenzanteile, Gastbeiträge von Digital Health Expert:innen , Exkursionen und praxisnahe Übungen in einem Blended-Learning-Konzept. Die Studierenden arbeiten interprofessionell, kollaborativ und forschend an Themen wie E-Health, Telemedizin, Teletherapie, Telecare, AAL, Robotik und KI-Anwendungen. Fallbeispiele, Praxisaufgaben und der Einsatz realer Technologien ermöglichen den direkten Transfer in berufliche Handlungsfelder. Als Prüfungsleistung entwickeln die Studierenden einen 5-Minuten-Pitch zu einer innovativen Anwendung sowie einen vertiefenden Slidecast. Dabei werden wissenschaftliche Recherche, Anwendungstransfer, kritische Reflexion und digitale Präsentationskompetenz miteinander verbunden. Das Co-Teaching bringt unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammen und stärkt den interprofessionellen Charakter des Studiengangs.
Das Innovationspotenzial liegt in der Verbindung von digital gestützter Lehre, berufspraktischem Erfahrungswissen, ethischer Reflexion und konkreter Technologiebewertung und -erprobung. Die Lernarchitektur ist modular aufgebaut und lässt sich auf andere Studiengänge, Berufsgruppen und Themenfelder übertragen. Sie zeigt, wie berufsbegleitende Online-Lehre flexibel, aktivierend, praxisnah und wissenschaftlich fundiert gestaltet werden kann. Die sehr positiven Evaluationen bestätigen die Relevanz der Inhalte, die Studierbarkeit des Formats und den wahrgenommenen Kompetenzzuwachs. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Professionalisierung von Gesundheitsberufen im Kontext digitaler Transformation. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Professionalisierung von Gesundheitsberufen im Kontext digitaler Transformation.“
Wir drücken die Daumen für eine erfolgreiche Auswahl und möchten bereits jetzt auf die Preisverleihung des Landeslehrpreises und den Fachtag „Exzellente Lehre“ am 1. Juli 2026 an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) hinweisen; Informationen zum Programm und zur Anmeldung werden über die Veranstaltungswebsite veröffentlicht.