Changeover Zukunft der Gesundheitsfachberufe

Tagungsbericht von der Drei-Länder-Tagung des VFWG in Bern

Zwei Frauen vor einem Poster
Heidi Höppner und Claudia Czernik in Bern

In der Bundesstadt der Schweiz – in Bern – fanden sich am 5. und 6. Mai 2022 rund 120 Lehrende, Forschende, Studierende und weitere Interessierte ein und diskutierten über die Zukunft der Gesundheitsfachberufe. Der Name der Tagung verrät die internationale Ausrichtung der drei Länder - Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Tagung, die alle zwei Jahre stattfindet, richtet der Verein zur Förderung der Wissenschaft in den Gesundheitsberufen (VFWG) aus. Gastgeberin war in diesem Jahr die Berner Fachhochschule.

Statt mit einer Keynote starte die Tagung nach den Grußworten direkt interaktiv mit einem World Café. An vier Thementischen wurden teils provokative Thesen über die Rollen- und Professionsentwicklung diskutiert. Dabei kam die Frage auf, ob es zunächst für jeden Gesundheitsberuf eine klare Identität und Abgrenzung von anderen Berufen braucht oder ob die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitssystem nicht lösungsorientierte und weniger berufe-/disziplinorientierte Bewältigungsansätze benötigen. Diese Frage griff auch die Keynote von Prof.in Gabriele Meyer (Universität Halle-Wittenberg) als zentral heraus: „Interprofessionelle Versorgung – brauchen wir noch Forschung in den Disziplinen?"

Der Nachmittag bot zahlreiche Vorträge und Workshops unter anderem eine Vertiefung der Interprofessionalität: z.B. welche Profis braucht die Praxis oder, wie gelingt bzw. was hindert kooperatives Lernen und Arbeiten in den D-A-CH-Ländern? Dabei waren von konkreten Projektvorstellungen, wie beispielswiese dem Aufbau eines Therapie-Netzwerkes, bis hin zu Workshops interessante Fragestellungen z.B. „Gesundheitsberufe im Wandel: Welche Berufe braucht eine diversifizierende Gesellschaft?" dabei.

Auch Kolleg_innen der ASH Berlin waren inhaltlich beteiligt. Christine Blümke (IGo) stellte die Evaluationsergebnisse aus dem neuen Studiengang „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung online (IGo) vor. Claudia Czernik (Lehrbeauftragte in PT/ET) präsentierte gemeinsam mit Prof.in Dr.in Heidi Höppner die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Transforming Therapy – Transforming Public Health". Auf Grundlage einer Befragung zu den Karriereverläufen von Gesundheitsfachberufler_innen mit einem Masterabschluss in Public Health identifizierten sie Idealtypen, wie sich Gesundheitsfachleute mit dieser ergänzenden Qualifikation in der Praxis einbringen.

An vielen Stellen wurde deutlich, wie unterschiedlich gesetzliche Vorgaben und Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung in den D-A-CH-Ländern sind. Beispielsweise ist die Akademisierung in Österreich und der Schweiz bereits weiter vorangeschritten und Bachelorabsolvent_innen regelhaft in der Praxis. Ein Austausch mit den Kolleg_innen der Nachbarländer ist sehr gewinnbringend um voneinander zu lernen und sich nicht von den Restriktionen („Endlosschleifen" in Bezug auf Modellklauseln etc.) in Deutschland abschrecken zu lassen. Die gesellschaftlichen und systemischen Herausforderungen (z.B. vermehrt chronisch Kranke und ältere Patient_innen) sind unabhängig der Grenzen ähnlich. Somit bot die Tagung nach drei Jahren Gelegenheit zum Austausch und für das Voneinander lernen, um die anstehenden Aufgaben innovativ anzugehen.

Als altes und neues Vorstandsmitglied vom VFWG stellte Prof.in Dr.in Heidi Höppner in Aussicht, die Dreiländertagung 2026 ggf. an der ASH Berlin stattfinden zu lassen. Dann wäre nach der nächsten in Linz im September 2024, wieder eine deutsche Hochschule an der Reihe. 

 

Link zur Tagung:

Drei-Länder-Tagung des VFWG | BFH Berner Fachhochschule
(https://www.bfh.ch/de/aktuell/fachveranstaltungen/drei-laender-tagung-des-vfwg/ )

 

Link zu den Abstracts der Beiträge:

Beiträge und Abstracts | BFH - Berner Fachhochschule 

(https://www.bfh.ch/de/aktuell/fachveranstaltungen/drei-laender-tagung-des-vfwg/abstracts-und-poster/ )