Hochschulleben Literarische Welten erkunden – Ein Spaziergang durch Hochschullernwerkstätten in Berlin

Hochschullernwerkstätten bieten praxisnahe Impulse für das Studium pädagogischer Ausrichtungen an

Tagungsteilnehmer_innen stehen in der Hochschullernwerkstatt Kommunikation und Sprache an der ASH Berlin und unterhalten sich
Austausch in der Hochschullernwerkstatt Kommunikation und Sprache (KoSe) an der ASH Berlin

Am 26. und 27. Februar 2026 fand die Tagung "Literarische Welten erkunden – Ein Spaziergang durch Hochschullernwerkstätten in Berlin" statt. Einblicke in andere Welten, in die Welten der anderen Werkstätten, eine Innenschau und ein Präsentieren von Überlegungen, Konzepten und Methoden. Voller Neugier und Erwartungen wagten wir dieses vierteilige Experiment, unsere Werkstattarbeiten zu zeigen, die Werkstätten, deren Aufbau und deren Methoden zu skizzieren.

Der internationale Verein „Netzwerk der Hochschullernwerkstätten e.V." (NeHle) wurde 2017 in Bremen gegründet und bot in diesem Jahr dezentrale, kleinere Tagungen und Austauschrunden an. Hochschullernwerkstätten bieten praxisnahe Impulse für das Studium pädagogischer Ausrichtungen an und darüber hinaus, werden Konzepte für Aus-, Fort- und Weiterbildung, vor allem für Pädagog:innen in allen Bereichen von Elementar- bis Erwachsenenbildung, (weiter-)entwickelt. Durch den Austausch zwischen den Gestalter:innen der Hochschullernwerkstätten können wir uns gemeinsam über theoretisch-konzeptionelle Begründung von Gestaltung der Räumlichkeiten, strukturelle und materielle Herausforderungen verständigen. Zusätzlich dienen Hochschullernwerkstätte als Erprobungsräume für den Transfer in die Praxis sowie für Prozesse der Reflexion über didaktisch-methodische Impulse als auch für praxisorientierten Forschung.

Am ersten Tag begannen wir an der FU und es zeigte sich ein ehemals genutzter Seminarraum in neuer Frische. Als „Lern- und Forschungsraum Literarische Bildung“ in der Silberlaube rund um Lis Schüler, Franziska Herrmann, Anna-Lena Demi, Fritz Kempas und Weitere. Wohl strukturiert bietet diese Werkstatt neben Bilderbüchern verschiedenster Rubriken auch Arbeiten der inneren Auseinandersetzung mit den spezifischen Büchern in einzelnen Regalebenen. Es bilden sich eigene Welten ab, die künstlerisch gestaltet wurden. Durch das Team wurden didaktische Einblicke in das methodisch-didaktische Arbeiten vermittelt, zeigten sich anregungsreich, kombiniert mit digitalen Elementen und der Erstellung von kleinen selbstproduzierten Videos, die Anlass gaben, in Kleingruppen zu diskutieren, zu verhandeln und zu beschreiben und gestalten. Auch die detailreichen phänomenologischen Beschreibungen der Vignetten aus Unterrichtssituationen oder didaktischen Erprobungen in der Werkstatt gaben reichlich Anlass zur sprachlich-reflektierenden Auseinandersetzung mit den Texten. Das Reflektieren der Interpretationsebenen und Sichten studentischer Arbeiten bot vielfältige Diskussionen und auch die große Frage, wie lassen sich diese Impulse aus dem Studium nun wirklich in die Praxis transferieren?

Ein Spaziergang bot die Möglichkeit zum weiteren Austausch und führte uns zur Domäne und einem Mittagsmahl und anschließend über die landwirtschaftlichen Nutzflächen zur U-Bahnstation Podbielskiallee und weiter an die UdK. Hier konnten wir ganz verlangsamen und in die Welt der Bilderbuchwerkstatt von Kirsten Winderlich eintauchen. In Zusammenarbeit mit Olaf Eliasson entstand ein Raum für Bildung und Bilder, der zum Verweilen, Träumen, sich bewegen, Sichbewegenlassen einläd. Wir lagen, lehnten und schmökerten, kamen zur Ruhe, manche schliefen kurz ein, kurzum, wir alle wurden sehr ruhig, selbst das Rauschen der nahen Straße störte kaum. Konzeptionelle Gedanken tauschten wir aus, über den Raum als Bildungslandschaft, das Ringen um Räume und Gestaltungsoptionen – anregungsreich, ästhetisch, einladend. Anregt durch die Konzeptionen der Grundschule der Künste und die gelungene Ästhetik und Darstellung der aktivierenden Arbeiten über die vertiefende Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Bilderbüchern, der Bilderbuchkunst – Bilder-Bilden, die Kirsten Winderlich, Conrad Rodenburg, Sophia Ashraf und Helen Naujoks schafften. Zum Abschluss des tages genossen wir gemeinsam an einer liebevoll gestalteten Tafel ein schmackhaftes Mahl, dass vom Team der UdK selbst zubereitet worden war. 

Am Freitag tauchten wir, wenngleich erschwert durch den Streik der Berliner Verkehrsbetriebe, ein in die Welten der Alice Salomon Hochschule. Rund um mein Team  – Irina Höfker, Vitaliy Persydskyy, und Clara Puschadel und der Kinderbuch-Literacy-Vitrine von Dagmar Bergs-Winkels. Wir zeigten, dass die kindheitspädagogischen Studiengänge bereits vier Hochschullernwerkstätten geschaffen haben, wobei Mathematik und Kommunikation und Sprache in einer Räumlichkeit vereint einladen. Wir starteten mit einer Fokussierungs- Achtsamkeitsübung und der Bewusstwerdung des Mundraumes. Es trug uns weiter über die achtsamkeitsbasierte Lehr-Lernmethode der Dyaden. Bei einer Dyade wird das genaue Zuhören vertieft sowie der ununterbrochene Ausdruck des eigenen Erlebens auf Erinnerungen der eigenen Lese- und Literaturgewohnheiten und Vorlieben.  

Außerdem bietet eine Dyade die Möglichkeit des Nachspürens auf gedanklicher, emotionaler und körpersensorischer Ebene. Es bot eine Einladung zum sich zeigen, Halten und sich vertiefender Begegnungen in der heutigen so schnelllebigen Zeit. Wir wechselten die Räumlichkeiten in die Lernwerkstatt, erprobten, diskutierten über andere Formen der eher therapeutisch-orientierten phänomenologischen Fallvignetten z. B. um Studierende und praktizierende Pädagog:innen an die Vielfalt von Kindern mit Selektivem Mutismus heranzuführen oder den Einsatz von unterstützender Kommunikation oder einer Erforschung und Reflexion mittels Eyetrackingbrillen. Wir schlossen mit einem didaktischen Impuls zum dialogischen Lesen in Groß-, Kleingruppen und 1:1-Verbindungen, teilten unsere Erfahrungen und Überlegungen und rundeten diesen Besuch mit einer Achtsamkeitsübung und Reflexionsrunde ab.

Verstreut durch verschiedene Verkehrsmittel über Fahrrad und Taxi sowie eigenem PKW eilten wir in die Innenstadt an die Kantine der Staatsbibliothek Unter den Linden. Es war heiß, fast frühsommerlich und dennoch saßen wir zum mittäglichen Austausch gemeinsam im Innenhof der altehrwürdigen Staatsbibliothek. Der Spaziergang setzte sich fort und endete in der Hochschullernwerkstatt der Primarstube der Geschwister-Scholl-Straße 7 der Humboldt-Universität und Petra Anders gab hier den Host. Sie stellte uns die Arbeiten mit Memes und den VR-Brillen vor, die ganz andere Einblicke in den Erfahrungsraum heutiger Kinder und neue didaktischer Möglichkeiten gaben. Wir erprobten unsere Ideen in kleinen Teams und hier zeigte sich ein Vorteil der jüngeren Menschen – die Bilder und Hinweise, wie Töne anders interpretieren, da sie auf andere filmische und weitere Quellen zurückgreifen. Seh- und Interpretationsgewohnheiten verschiedener Generationen können verbinden und Möglichkeiten des aktiven Miteinanders schaffen.

Reichhaltig beschenkt von den vielseitigen Eindrücken der vier Orte in Berlin wollen wir weiterarbeiten an unseren gemeinsam geteilten Erfahrungen, uns gegenseitig besuchen und Anregungen schaffen, einen Transfer in die Bildungslandschaft zu schaffen. Dies soll uns in unserer Arbeit weiter unterstützen, gemeinsame Denkräume und anregende Lern- und Bildungslandschaften im Innen und Außen zu schaffen.