Hochschulleben „Alles ist Eins“ – Ein Gespräch über Hospizarbeit

ASH-Präsidentin Bettina Völter im Gespräch mit dem Ehrwürdigen Tharchin, buddhistischer Seelsorger im Zentrum für Spiritual Care Sukhavati

Tharchin und Bettina Völter stehen nebeneinander vor der Fensterfront des Theaterseminarraums im Neubau der ASH Berlin und schauen lächelnd in die Kamera
ASH-Präsidentin Prof. Dr. Bettina Völter sprach mit dem Ehrwürdigen Tharchin über die heilsamen, gelingenden und würdigen Rahmenbedingungen von Hospizen.

Am 6. Mai 2026 fand im Theaterseminarraum im 9. Stock des Neubaus der ASH Berlin ein Gespräch zwischen dem buddhistischen Seelsorger und Ehrenamtskoordinator des Zentrums für Spiritual Care Sukhavati, dem Ehrwürdigen Tharchin, und der ASH-Präsidentin Prof. Dr. Bettina Völter statt. Anlass war die Wanderausstellung „Familienhospizarbeit“ des Malteser Hilfsdienstes e. V., die im Sommersemester 2026 an der ASH Berlin gezeigt wurde.

Die Lebensphase des Sterbens und der Tod werden in unserer Gesellschaft sehr oft tabuisiert. Betroffene und Angehörige sind damit oft allein gelassen. Selbst professionellen Helfer_innen, wie Ärzt_innen, Pflegenden, Kita-Mitarbeitenden und -Leitungen, Jugendamtsmitarbeitenden und Lehrer_innen, sind die Unterstützungsmöglichkeiten der häuslichen oder stationären Hospizarbeit oft nicht bekannt – oder sie werden nicht hinreichend vermittelt und wahrgenommen. 

Über die heilsamen, gelingenden und würdigen Rahmenbedingungen von Hospizen sprach die Präsidentin der ASH Berlin, Prof. Dr. Bettina Völter, mit dem buddhistischen Seelsorger und Ehrenamtskoordinator des Zentrums für Spiritual Care Sukhavati, dem Ehrwürdigen Tharchin. Tharchin ist ein ordinierter Mönch in der tibetischen Karma Kagyü Tradition. An drei Stellen des Gesprächs, zu Anfang des Interviews, vor der Öffnung des Gesprächs hin zu den Zuhörenden und am Ende der Veranstaltung, fragte Bettina Völter Tharchin, was er sehe, wenn er aus den Fenstern des Theaterseminarraums in die Weite des Brandenburger Umlands und Richtung Berlin blicke. Tharchin antwortete einmal: „Alles ist eins“. Er beschreibt seine Arbeit im Zentrum Sukhavati in Bad Saarow wie folgt: „Dieser Ort ist dafür geschaffen, das Sterben, den Tod und die Trauer in das ganz normale Leben zu integrieren. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten, indem ich den Menschen helfe, die Angst vor diesem Lebensabschnitt zu verringern.“ 

Das Gespräch zwischen dem Ehrwürdigen Tharchin und Bettina Völter über Erfahrungen mit der letzten Phase des Lebens, mit Tod, Angehörigenbegleitung und Hospizarbeit berührte immer wieder auch spirituelle Aspekte des Lebens und Sterbens. „Spiritual Care“ bedeute, Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Wert zu entdecken, den Sinn des Lebens erfahrbarer zu machen und/oder einfach aus dem geschäftigen Tun herauszukommen und sein zu dürfen, so Tharchin. Er erläutert: „Jeder Mensch hat eine Würde und viele sagen am Ende des Lebens, sie möchten sie wiedererlangen. In diesem Bereich zu unterstützen, hat erst einmal nichts mit Religion zu tun. Es sind ganz menschliche Bedürfnisse.“ 

Der Ehrwürdige Tharchin hat bis 2017 elf Jahre in der Bibliothek der ASH Berlin gearbeitet. In dieser Zeit war er als gewählter Schwerbehindertenvertreter Ansprechperson für das Betriebliche Wiedereingliederungsmanagement der ASH Berlin und im Personalrat tätig. Seit dem Jahr 2000 ist er praktizierender Buddhist und wurde 2019 als Mönch ordiniert. Zunächst lebte er fünf Jahre in Frankreich und ist seit Juni 2022 im Hospiz von Sukhavati in Bad Saarow tätig. 

Prof. Dr. Bettina Völter ist Präsidentin der ASH Berlin und Professorin für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit. Regelmäßige formelle und informelle Meditation erlebt sie als Basis und Energiequelle für ihre Praxis als Führungsperson. Seit 2012 organisiert sie die jährlich an der ASH Berlin stattfindende bundesweite Workshoptagung „Achtsamkeit an Hochschulen“ und seit 2022 immer am ersten Montag im Monat das Online-Angebot „Hochschulübergreifende Meditation“, das von Menschen aus Hochschulen und pädagogischer Praxis im deutschsprachigen Raum wahrgenommen wird. Im Jahr 2025 hat sie das „Mindfulness Meditation Certificate Program“ bei Jack Kornfield und Tara Brach abgeschlossen.

Das Gespräch zwischen dem Ehrwürdigen Tharchin und Bettina Völter wurde aufgezeichnet und kann auf dem ASH-YouTube-Kanal angeschaut werden. Hier geht es zum Video. 

Im Rahmen der Eröffnungsfeier der Wanderausstellung „Familienhospizarbeit“ an der ASH Berlin hielten Prof. Dr. Katja Boguth und Marie-Luise Posselt, M. Sc., einen Fachvortrag zur Rolle der Ehrenamtlichen in der professionellen Pflegearbeit. Im Mittelpunkt standen dabei Ansätze familienorientierter Pflege sowie die Zusammenarbeit Ehrenamtlicher und Pflegefachpersonen. Eine Zusammenfassung des Fachvortrags ist hier zu finden: „Die Rolle der Ehrenamtlichen bei der professionellen Pflegearbeit“

Die ASH Berlin wird Kooperationen zu Einrichtungen der Hospizarbeit aufbauen, um Mitarbeitenden sowie Studierenden ihrer Fachrichtungen der Sozialen Arbeit, Gesundheit, Pflege, Physio- und Ergotherapie, Erziehung und Bildung (SAGE) den Zugang zu Praktika, Ehrenamt oder Mitarbeit zu erleichtern. „Hospizarbeit ist ein Praxisfeld, das uns die interprofessionelle Zusammenarbeit, die überall im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen so nötig ist, ganz selbstverständlich vorlebt. Es wäre wünschenswert, dass wir Expertise aus allen unseren Fachrichtungen hierfür bereitstellen und dass Mitarbeitende und Studierende der ASH Berlin über die Angebote der Hospizarbeit informiert sowie dafür sensibilisiert werden“, so Bettina Völter.