Hochschulleben Achtsamkeit an Hochschulen – Die 12. Workshoptagung an der ASH Berlin

Die 12. Bundesweite Workshoptagung „Achtsamkeit an Hochschulen“ vereinte Impulse aus Lehre, Forschung und lebendiger gemeinsamer Praxis.

Teilnehmende der Tagung sitzen im Bewegungsraum der ASH Berlin
Teilnehmer_innen der Tagung im Bewegungsraum der ASH Berlin

Wie lassen sich die Praxis von Achtsamkeit und Selbstfürsorge, Lehransätze und Methodenentwicklung, wertebewusste Beziehungsgestaltung und ein verantwortlicher Umgang mit Gemeinwohl, Demokratie und Natur in der Hochschulbildung vermitteln? 

Fragen wie diese beschäftigten am 6. und 7. März 2026 insgesamt 22 Bildungsakteur_innen auf der 12. bundesweiten Werkstatttagung „Achtsamkeit an Hochschulen“ an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Die Tagung wird seit 2012 organisiert und an der ASH Berlin gehostet, dieses Mal von Nils Altner, Claudia Hruška und Bettina Völter. Die Werkstatttagung macht einen Unterschied, indem sie Möglichkeiten des Austausches für alle Teilnehmenden im offenen Format bietet: Impulse und Kurzvorträge wechseln mit Meditation und anderen Formen der Praxis, mit der Erprobung von Methoden, Seminargestaltungsangeboten und -konzepten sowie mit Informationen über neue Ansätze. Gerade in beanspruchenden Zeiten, wie dieser, in der weltpolitisch viele Auseinandersetzungen, Kriege und Bedrohungen von demokratischen Umgangsformen sehr nah sind, stellt das Innehalten, sich Vergegenwärtigen, Vernetzen und Kraftsammeln einen essenziellen Aspekt des seelischen Überlebens und des Schutzes vor Überlastung dar. In einer Gesellschaft, in der die Folgen struktureller Kürzungen auf sozialer, Bildungs- und gesundheitsversorgender Ebene zunehmen und Druck ausgeübt wird, Errungenschaften von Gleichstellung, Diversität und Solidarität einzuschränken, fördert die Praxis von Meditation, sinnlicher Wahrnehmung, Zuhören und sich Verbinden den Mut, sich politisch und praktisch zu positionieren und für demokratische Werte und Menschenrechte einzusetzen.

In den Bereichen der hochschulischen Bildung stehen wir vor zahlreichen Herausforderungen, wie: Studierende gut zu begleiten und sie gleichzeitig im aktiven Handeln zu unterstützen, sie zur Öffnung für das Schöne und eine Verbindung zur Natur, zu Anderen und zum Selbst zu ermutigen, Rahmen bereit zu stellen, in denen Kraft und Hoffnung auf grundlegende Veränderungen geschöpft werden können.

Auf der diesjährigen Werkstatttagung reichten die Beiträge von konfliktaufarbeitenden und empowernden Methoden in Teams, gemeinsamem, naturnahem Erleben im Freien mit Cornelia Wiek und Elisabeth Blanke (Uni Leipzig), szenisch performativem Spiel auf der Wiese am Hellersdorfer Graben, ästhetisch-kunstbasierten Ansätzen der vertiefenden Auseinandersetzung mit inneren Prozessen mit Martina Janßen (BTU Senftenberg) bis hin zur Praxis der angeleiteten R-A-I-N-Meditation nach Brach (2020) mit Bettina Völter (ASH Berlin). Weitere Themen dieser kontemplativen Formen der verkörperungsästhetischen kulturellen Bildung waren kunstbasierte Selbstreflexion mit Helga Luger-Schreiner (KunstUni Linz & AANAA), das Social Presencing Theater mit Inga Beek (ASH), Sprechen und Zuhören mit Frauke Godat (Uni Kiel), The Work mit Sanja Böhler-Koddenbrock (Schulaufsicht Euskirchen), die Arbeit mit inneren Anteilen der Persönlichkeit mit Nele Neuhäuser (Klinik f. Psychotherapie Eberswalde), Claudia Hruška & Nils Altner (ASH Berlin), der Social Action Approach mit Andreas Richter (KHSB), Poesie und Stille mit Susanne Klimroth (HU Berlin) sowie Methoden der Interaktionsforschung in der frühen Bildung mit Juliane Lehmann (Uni Leipzig). 

Die unterschiedlichen methodischen Ansätze wurden in co-kreativer Weise durch die Teilnehmenden angeboten und erlebt; sie führten zu einem Innehalten und Neusortieren sowie einem Ausrichten auf die wesentlichen Aspekte des eigenen Wirkens. Dabei entstanden neue Ideen für die Arbeit mit Studierenden. Das Wochenende bot auch Optionen, aus stagnierten Prozessen oder Ohnmacht Wege zu finden, sich mit sich selbst und Anderen zu verbinden, um weiterhin oder wieder umsichtig und professionell agieren zu können. 

Besonders an diesem Tagungsformat ist das Erfahrbarwerden von methodischen Zugängen der Hochschulbildung über rein kognitive Prozesse hinaus. Bewusstes Schauen, Lauschen, Bewegen, die Sonne und den Wind auf der Haut Spüren und der sinnenbezogene, vertrauensvolle Austausch der Erfahrungen ließen Raum für ein geistesgegenwärtiges und nahes Miteinander entstehen. Immer wieder eröffneten dabei Momente der gemeinsamen Stille Begegnungsräume mit der eigenen körperlichen Präsenz und dem körperbewussten Miteinander. 

Achtsamkeitsansätze leiten insofern nicht ausschließlich zu einem selbststärkenden und gesundheitserhaltenden Zugang zu sich selbst an, sondern ermöglichen darüber hinaus das sich Verbinden mit Anderen und ein professionelles Handeln in herausfordernden Situationen sowie eine Entwicklung von positiver Teamkultur. Daraus kann ein sich öffnendes, breiteres Handlungsspektrum wieder befähigen, flexibler zu werden und auf Anforderungen im Außen und Innen adäquat und bewusst-gestaltend zu reagieren.

Wir danken allen Beteiligten für das inspirierende und herzliche Miteinander und laden schon jetzt für den 5. und 6. März 2027 zur nächsten Werkstatttagung an die ASH Berlin ein, dann u.a. mit dem Schwerpunkt der kollegialen Intervision in der achtsamkeitsbasierten Hochschullehre und Forschung.

Referenzen
Brach, T. (2020). Dein furchtloses Herz: Mit der RAIN-Methode schwierige Emotionen heilen (J. Elze, Übers.; Deutsche Erstausgabe). O.W. Barth.