Pre-Study Programm Was beschäftigt die Teilnehmer_innen und Absolvent_innen des ASH Pre-Study Programms?

Die Sozialarbeiterin im ASH Pre-Study Programm und Refugee Office gibt Antworten

Vergrößern: Frau Brüninghoff blickt hinunter auf einen Schreibtisch
Selma Schulze-Brüninghoff (rechts)
  • Die Teilnehmer_innen des ASH Pre-Study Programms sind Menschen mit Fluchterfahrung. Sie leben seit einiger Zeit in Deutschland und ihnen steht (u.a. durch aufenthaltsrechtliche Regelungen) nicht immer geeigneter Wohnraum zur Verfügung; wenn sie auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung suchen, sind sie aufgrund verschiedener Faktoren (wirtschaftliche Lage, sprachliche Hürden, rassistische Diskriminierung) gegenüber anderen Wohnungssuchenden benachteiligt; eine Unterstützung bei der Suche trägt dazu bei, dass eine geeignete Lern-Umgebung ermöglicht wird.
  •  Viele Teilnehmer_innen des ASH Pre-Study Programms erhalten Leistungen des Jobcenter. Hier werden viele Ermessensentscheidungen von den jeweiligen Sachbearbeiter_innen getroffen, die auch ungerecht sein können. Deshalb ist es hilfreich, wenn ich als Sozialarbeiterin informiert bin und mit darauf achte, dass eine möglichst faire Handhabung dieses Ermessens gewährleistet ist. Gibt es Probleme oder werden ungerechte Entscheidungen getroffen, kann darauf hingewiesen und Widerspruch eingelegt werden.
  • Seit dem Frühjahr 2018 wird von Syrer_innen mit subsidiärem Schutzstatus erwartet, einen Pass bei der syrischen Botschaft zu beantragen. Um einen Antrag auf einen Passersatz (Reiseausweis für Ausländer) zu stellen, muss die Unzumutbarkeit der Passbeschaffung dargelegt werden. Solche Anträge und ein Hinweisen auf Unzumutbarkeit sind laut RLC Berlin erfolgversprechend und politisch und persönlich ein wichtiges Mittel, um sich selbst und die Angehörigen zu schützen und sich gegen diese fragwürdige Praxis der Ausländerbehörde (LEA) zu wehren.
  • Absolvent_innen und Teilnehmer_innen des ASH Pre-Study Programms können aufgrund ihrer Migrationserfahrung, der neuen Lebenssituation (u.a. hoher Anpassungsdruck und vielzählige Diskriminierungserfahrungen) und der Situation in den Herkunftsländern emotional schwer belastet sein. Ein Gespräch ohne Erwartungsdruck mit einer_m verständnisvollen Gesprächspartner_in kann die emotionale Last schmälern.
  • Die Lebensrealität der Teilnehmer_innen des ASH Pre-Study Programms weicht von der vieler anderer Studierender ab: sie haben z.B. bereits ein Studium im Herkunftsland absolviert und sind über der Altersgrenze, um BAföG zu beantragen. Sie haben teilweise Familie, für die sie sorgen und müssen sich deshalb genau überlegen, ob und wie sie ein Studium finanzieren können. Ein Antrag auf BAföG oder Stipendium kann trotz der strengen Vorgaben erfolgreich sein!

Es kann einfacher sein, gemeinsam mit mir ein Problem zu bearbeiten:

  • wir gehen gemeinsam zur Beratung der Refugee Law Clinic, um bei der Ausländerbehörde einen Antrag auf Unzumutbarkeit zu stellen.
  • wir verfassen gemeinsam ein Schreiben, um beim Jobcenter Widerspruch einzulegen.
  • wir führen ein angenehmes und entlastendes Gespräch, um danach gestärkt an die Arbeit zu gehen.
  • wir erstellen die Unterlagen, die du für BAföG- oder Stipendiums-Bewerbung benötigst.
  • In all diesen Situationen habe ich in der Rolle der Begleiterin und Unterstützerin auch eine motivierende und manchmal auffordernde Funktion: Stell diesen Antrag, es kann sich lohnen!


Selma Schulze-Brüninghoff ist Sozialarbeiterin im ASH Pre-Study Programm und Refugee Office.