Lernen & Lehren Studierende lehren

Marc David Ludwig im Interview über sein erstes von ihm geleitetes Seminar als Student

Vergrößern: Porträt von Marc David Ludwig in schwarzem Kapuzenpulli
Marc D. Ludwig

Sie werden im Wintersemester als Master-Student ein Seminar anbieten. Wie kam es zu der Idee?

Marc D. Ludwig: Das Bedürfnis selbst Lehrerfahrung im Hochschulkontext zu machen, trage ich bereits lange mit mir rum. Bereits vor meinem Studium habe ich Workshops in der offenen Kinder- und Jugendarbeit gegeben und mag es, als „Lernbegleiter“ selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen. Als ich im vierten Semester meines Bachelorstudiums, das war Sommer 2018, die Ausschreibung für das interdisziplinären Lehrvorhaben mit  studiengangsübergreifenden Perspektiven in die Hände bekam, wurde mein Interesse nur bestärkt.


In welchem Rahmen gibt es für Studierende die Möglichkeit, selber Seminare anzubieten? Wie ist das Prozedere?

Marc D. Ludwig: Dies ist eine über das Förderprogramm So Lehren! geförderte studiengangsübergreifende Lehrveranstaltung für Student_innen der Studiengänge Soziale Arbeit sowie Erziehung und Bildung in der Kindheit. Gefördert wird die Vorbereitung der Lehrveranstaltungen und die Durchführung der Seminare. Die Veranstaltung wird studentisch selbst organisiert durchgeführt und von Prof. Dr. Regina Rätz als Lehrperson begleitet.


Worum geht es in Ihrem Seminar?

Marc D. Ludwig: In dem interdisziplinären Lehrvorhaben mit dem Titel „sozialraumorientiert & intermediär: Kinder und Jugendliche lernen im Gemeinwesen“ gebe ich Raum sich zu gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen, mit Praxis ins Gespräch zu gehen und sich eine reflexive Haltung im Sinne von fallübergreifender Arbeit, Gruppen-, Gemeinwesen-, Advocacy- und Lobbyarbeit zu erarbeiten. Das Seminar ist eine zusätzliche studiengangsübergreifende Lehrveranstaltung und studentisch organisiert. Die Seminare, wöchentlich 2 SWS, werden digital synchron durchgeführt und ermöglichen die Auseinandersetzung zu vielfältigen Themen. Die Sitzungen sind grundsätzlich diskursiv angelegt und laden Teilnehmende ein in Großgruppe, Kleingruppe aber auch individuell Erfahrungen und Bezüge zusammenzutragen. Eingeladen sind insbesondere angehende Kindheitspädagog_innen und Sozialarbeiter_innen.
Die einzelnen Sitzungsthemen habe ich ein Semester lang vorbereitet und freue mich in der ersten Sitzung ein Angebot zu machen, wie wir uns den Lerninhalt aneignen können. Zudem sollen Erkenntnisse aus meiner Bachelorarbeit zur „Bedeutung von Gemeinschaftsbildung/-orientierung in Sozialer Arbeit” mit einfließen. Besonderes Augenmerk wird auf Fachzeitschriften gelegt, die fast wöchentlich vorgestellt werden. 

 

Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?

Marc D. Ludwig: Ganz im Sinne eines forschenden Lernens werden wir uns in diesem Seminar theoretischen und konzeptionellen Grundlagen von Gemeinschaft und Gesellschaft nähern. Am Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe werden wir hinterfragen, ob politsiche Bildung zum Auftrag der Arbeit dazu gehört. Ziel ist es im Diskurs mit anderen Studierenden, in Selbstreflexion, in Partnerarbeit, synchron und gerne auch durch Mitgestaltung der Lernplattform, Verbundenheit in Gemeinschaft als Stellschraube zu begreifen und Chancen von politischer Bildung zu erkennen. Dabei sollen wechselseitige Perspektiven und eine partnerische Haltung eingenommen werden. Der theoretische Input wird mit Übungen ergänzt und ein selbst gewählter Arbeitsbereich kann auf Basis von Reflexionsfragen hinterfragt werden. Pecha Kucha Präsentationen ermöglichen zudem einen individuellen Schwerpunkt zu setzen.

 

Das besondere soll die Verzahnung mit der Praxis sein? Können Sie das näher erläutern?

Marc D. Ludwig: Ich werde  das Seminar anleiten und Impulse geben. Expert_innen aus anderen Institutionen und Netzwerken sollen darüber hinaus den Diskursraum mit praktischen Beispielen anreichern.  Die Auswahl treffen die Teilnehmenden in der ersten Sitzung. Ich bin derzeit dabei mir zu erarbeiten, in welchem geeigneten didaktischen (online-)Format ausreichend Reflexionsraum angeboten werden kann, sodass die Inhalte der Veranstaltung durch Teilnehmende mit angereichert und eigene Bezüge hergestellt werden können. Ziel des Wahlmoduls soll es sein, dass Studierende bisher erworbenes Wissen vertiefen und ergänzen, sowie durch Beispiele und aktuelle Diskurse aus der Praxis ihr Tun reflektieren. Fachkräfte werden in einem Beirat als Fokusgruppe sozialpädagogische Stellschrauben identifizieren und mit eigenen Berichten aus der praktischen Arbeit das Seminar anreichern. Hierdurch wird insbesondere aktuellen Themen Platz gegeben (z.B. Wahl/Demokratie, Pandemie/Gesundheit, Bildung/Erziehung, …).

 

Was möchtest Sie anders machen?

Marc D. Ludwig: Hauptbestandteil des Seminars werden Methoden sowie Moderation und Anleitung sein, die es ermöglichen sich selbst in Beziehung zu setzen, mit anderen Teilnehmenden in Diskussion zu kommen und selbstreflexive Übungen umzusetzen, die in Vorbereitung der Bachelorarbeit helfen Interdisziplinarität zu anderen Disziplinen herzustellen. Theorien werden angeboten, Arbeitsergebnisse dokumentiert und im Nachgang der Sitzungen zugänglich gemacht. Ein zirkuläres Verständnis von Theorie und Praxis zieht sich somit durch alle Termine und schärft die praxisorientierte Disziplin und praktische Wissenschaft.

 

Seminarthemen
Auftakt-Sitzung
1. Seminareinheit: Politische Bildung oder Grenzbearbeitung?
2. Seminareinheit: Handlungorientierung trotz Konflikte, Gast*: Politische Bildung in Alltagssituationen integrieren
I. Reflektions-Sitzung: Zur Bedeutung von Statusängsten
3. Seminareinheit: Selbstorganisiertes Handeln und Teilhabeorientierung, Gast*: Civic Education - zur Sozialisation von Jugendlichen
4. Seminareinheit: Bildung und gesellschaftliche Transformation
II. Pecha Kucha Präsentationen
5. Seminareinheit: Demokratie als Lebensform, Gast*: Bildung und Zivilgesellschaft
6. Seminareinheit: Nachbarschaften und lokale Demokratie, Gast*: Netzwerkarbeit
III. Reflektions-Sitzung: Sozialräume als Bildungssettings
7. Seminareinheit: Gemeinwesenarbeit und Membership
IV. Demokratiebildung und Menschenrechte, Gast*: Menschenrechtsbildung
V. Professionalität trotz Krise, Gast*: Soziale Arbeit als Arbeit am Gemeinwesen
VI. Lektüresitzung: Membership. Eine Theorie der sozialen Arbeit (Falck 1997)
8. Seminareinheit: Abschluss und Feedback