Lernen & Lehren Mit Berufserfahrung studieren

Eine neue, interdisziplinäre Studienform für Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten (AddIS) startet im April 2016

Vergrößern: Eine Physiotherapeutin hat ihre Hand platziert auf dem Unterschenkel eines kleinen Jungen, der auf eine Medizinball sitzt. Sie zeigt ihm Übungen.
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Berufserfahrung hat an der ASH Berlin Tradition: AddIS steht für die additive interdisziplinäre Studienform. Parallel zur Primärqualifikation von Physio- und Ergotherapeutinnen und -therapeuten, die jeweils im Wintersemester startet, nehmen im Sommersemester 26 Therapeutinnen und Therapeuten mit Praxiserfahrung ihr Studium an der ASH Berlin auf. Voraussetzungen sind neben den formalen Zulassungsbedingungen das jeweilige Staatsexamen als Physio- oder Ergotherapeut/-in und der Nachweis ihrer zweijährigen Berufserfahrung. Das Studium dauert – nach erfolgreichem Abschluss des Brückenmoduls „Berufsbezogene Kompetenzen“ – fünf Semester (optional vier). Die dreijährige Ausbildung wird als außerhochschulische Leistung auf das Studium angerechnet.

Examinierte Therapeutinnen und Therapeuten sind uns an der ASH Berlin vertraut: Von 2004 bis 2015 wurde eine duale Studienform in Kooperation mit Berufsfachschulen angeboten. Die zehnjährige Erfahrung, Evaluation und nahezu eine Vollerhebung der Absolvierenden konnte nun für die Modifikation der Studienform AddIS genutzt werden.

Berufsbegleitende, interdisziplinäre Studienform

Besonderheiten von AddIS, die mit einem Bachelor of Science abschließt, ist neben der berufsbegleitenden (i. d. R. zwei Tage Präsenz), interdisziplinären Studienform auch der konsequente didaktisch/methodische Ansatz an bereits vorhandene Kompetenzen. Hierbei geht es um die theoriegeleitete Reflexion der Berufserfahrung der Studierenden. Neben der Vertiefung von sozialen Kompetenzen ist die Befähigung zu wissenschaftlichem Arbeiten und systemischem Denken in der Gesundheitsversorgung von Bedeutung. Konkrete Praxis ist auch der Ausgangspunkt für die Wahl eines Schwerpunktmoduls: „Wissenschaft in Praxis: Veränderung“ (Versorgung und Prozesse neu mitgestalten) oder „Wissenschaft in Praxis: Vermittlung“ (berufserfahrene Studierende reflektieren ihre praktische Anleitung z. B. von Beginnern).

Ein Studium stellt andere Anforderungen an Berufserfahrene als in der Primärqualifikation. Für „gestandene“ Therapeutinnen und Therapeuten geht es nicht um eine therapeutische Handlungskompetenz sondern um ein „konstruktives Infragestellen“ ihrer beruflichen Identität und Handlungspraxis. Das verunsichert und es braucht Vertrauen in den produktiven Prozess eines Studiums. Der monetäre Lohn bleibt noch aus. Der Arbeitsmarkt hält bis heute nicht die Anerkennung für studierte Therapeutinnen und Therapeuten bereit, z. B. in Form selbstverständlicher tariflicher Einstufungen nach einer hochschulischen Ausbildung. Dennoch wird gerade ihre Kompetenz in der Praxis dringend gebraucht. (Tagungsbericht „SIE haben uns noch gefehlt“ am 30.10.2015 – Archiv des Studiengangs – Einrichtungsbefragung Dr. Kampe). Es stehen viele interessante neue Aufgaben bevor. Ein Studium wird häufig – auch durch neue Kontakte und Vernetzung – als wesentliche berufsbiografische aber auch persönliche Etappe bilanziert.

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