Stipendien Die Mühe hat sich gelohnt

ASH-Student Martin Petrich über Vorteile und Möglichkeiten eines Stipendiums

Vergrößern: Studentinnen sitzen im Kreis auf einer Wiese
Stipendiatinnen bei einer Sommer-Uni des Evangelischen Studienwerks

Bezahlbarer Wohnraum in Berlin wird immer knapper, die Semesterbeiträge auch nicht weniger und der Spagat für Studierende zwischen Maßnahmen, um finanziell über die Runden zu kommen und einem halbwegs entspannten Studium immer breiter. Ein Stipendium ist eine gute Möglichkeit, während des Studiums eine Sorge weniger zu haben und schafft Freiraum für die Themen, die einen gerade wirklich beschäftigen. Du glaubst nicht daran, dass Du für ein Stipendium in Frage kommen könntest? Habe ich auch nicht, bis es dann doch geklappt hat! Aus diesem Grund möchte ich hier meine Erfahrungen teilen und eine von vielen Möglichkeiten vorstellen, über ein Stipendium weit mehr als nur finanzielle Unterstützung während des Studiums zu bekommen.

Das Evangelische Studienwerk Villigst ist eines von dreizehn Begabtenförderungswerken in Deutschland, welche aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Stipendien vergeben. Aufmerksam auf das Studienwerk Villigst wurde ich durch die Empfehlung von Bekannten und machte mich schließlich, ohne viel Zuversicht auf Erfolg, an die Bewerbung. Eine Mühe, die sich im Nachhinein auf jeden Fall gelohnt hat.

Warum evangelisch?

Das Studienwerk Villigst wird getragen von den Evangelischen Kirchen Deutschlands. Im Rahmen protestantischer Tradition will das Studienwerk junge Menschen dazu ermutigen, sich Fragestellungen unserer modernen Gesellschaft zu stellen und ihre Begabung und politisches Urteilsvermögen für eine soziale und offene Gesellschaft einzusetzen. Heißt das, dass nur Mitglieder einer evangelischen Kirche als potenzielle Kandidat_innen in Frage kommen? Nein! Eine Bewerbung ist auch dann möglich, wenn Du keiner Kirche angehörst. Sämtliche religiöse Angebote sind freiwillig und persönlich habe ich den Umgang mit dem evangelischen Hintergrund der Förderung immer als überaus offen wahrgenommen.

Förderumfang

Aber was bringt mir eine Förderung über das evangelische Studienwerk nun eigentlich? Die Berechnung der finanziellen Förderung orientiert sich am BAföG und umfasst bis zu 649 Euro monatlich zuzüglich 300 Euro Studienkostenpauschale, letztere unabhängig von der finanziellen Situation der studierenden Person. Die Förderung wird für die gesamte Studiendauer ausgezahlt. Weitere Leistungen wie beispielsweise für Auslandsaufenthalte und Sprachkurse sind ebenso möglich.

Neben der finanziellen Förderung lädt das Studienwerk Villigst ein, Teil der Villigster Gemeinschaft zu werden und diese mit seinen vielfältigen Angeboten kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Im Rahmen der ideellen Förderung wird zu verschiedensten interdisziplinären Bildungsprogrammen eingeladen, Wissen in Fachgruppen austauschen, als Mitglied verschiedener Gremien das Studienwerk mitzugestalten oder sich einfach auf einen Kaffee oder ein Bierchen mit anderen Villigster*innen zu vernetzen.

Bewerbung

Für eine Bewerbung bei Villigst brauchst Du keinen Abischnitt von 1.0, musst weder ein Genie sein, noch irgendwelche übermenschliche Fähigkeiten besitzen. Vielmehr interessiert sich das Studienwerk für engagierte Menschen, die für das eigene Fach brennen und denen gesellschaftliche und politische Themen nicht egal sind. Das Studienwerk will Dich als Person mit deinen eigenen Gedanken und Ideen kennen lernen und unterstützen. Deshalb wirst Du bei Eingang deiner Bewerbung, sollten alle formalen Kriterien erfüllt sein, nicht durch Lebenslauf oder Ähnliches vorher aussortiert, sondern automatisch für das erste Bewerbungsgespräch eingeladen. Neben Deinem gesellschaftlichen Engagement und Interesse am eigenen Fach solltest du aber einige andere wichtige Voraussetzungen dennoch auf dem Schirm haben. Diese sind Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedslandes, der Schweiz oder eine Förderberechtigung nach §8 BAföG, (baldiger) Besitz einer gültigen Hochschulzugangsberechtigung, Vollzeitstudium, bei dem das 3. Fachsemester noch nicht überschritten ist sowie kein bereits abgeschlossenes Studium. Sind diese Kriterien erfüllt, dann steht Deiner Bewerbung nichts mehr im Weg. Dabei spielt es keine Rolle, für welches Studienfach Du dich entschieden hast. Ausdrücklich eingeladen, sich zu bewerben, sind Personen aus Nichtakademikerelternhäusern und, ein Pluspunkt für ASH-Studierende, von Fachhochschulen.

Auch Menschen mit Fluchterfahrung sind herzlich willkommen, sich zu bewerben.

Der Bewerbungsverlauf ist in drei Phasen unterteilt. Ist Deine Bewerbung komplett und fristgerecht eingetroffen, wirst Du zu einer Vorauswahl in Deiner Nähe eingeladen. Dabei handelt es sich um ein ca. dreiviertelsündiges Gespräch, bei dem Dich eine Gruppe von Auswähler_innen durch Fragen zu Deiner Person, Deinen Interessen und Sichtweisen kennenlernen will. Hast Du dies gemeistert, wirst Du gegebenenfalls zur Hauptauswahl in das schöne Villigst in Nordrhein-Westfalen eingeladen. Hier erwarten dich mehrere Gespräche und Diskussionen in Fachgruppen sowie ein letztes Einzelgespräch. Mein Tipp dabei: mache Dir nicht zu viele Gedanken darüber, was Du weißt oder nicht weißt, sondern bleib wer Du bist, ohne dich zu verstellen. Das Evangelische Studienwerk sucht in erster Linie nach Menschen, die zu der Villigster Gemeinschaft passen und das klappt immer am besten, wenn Du authentisch das verkörperst, was Du wirklich denkst, fühlst und bist.

Martin Petrich studiert im 6. Semester Soziale Arbeit an der ASH Berlin.