ASHEXIST Wege in die Selbstständigkeit(en) unterstützen – wie geht das?

Lehrende der ASH Berlin antworten

Vergrößern: Vier leere Sprechblasen auf buntem Hintergrund
© Prawny on Pixabay

Seit Juli letzten Jahres wird an der ASH Berlin im Rahmen des Projekts ASHEXIST (angesiedelt beim Career Service) die Sensibilisierung für selbstständige und gründungsbezogene Vorhaben und Fähigkeiten gefördert. Um die Angebote von ASHEXIST möglichst passgenau mit den Bedarfen der Hochschulangehörigen abzustimmen, finden projektbegleitende Befragungen statt. Die Studierenden wurden bereits 2019 befragt, nun kamen die Lehrenden zu Wort.[1]

Die Lehrenden haben mögliche Handlungsfelder der ASH Berlin für die Qualifizierung der Studierenden in Bezug auf selbstständige oder teilselbstständige berufliche Tätigkeiten beschrieben, vor allem:

  • die Vermittlung von Kompetenzen und Fachwissen mit Bezug zum Thema Selbstständigkeit
  • Coaching
  • Beratung
  • Mentoring
  • Workshops, die Theorie und Praxis verknüpfen

Manche Lehrenden wünschen sich eine stärkere Förderung von Fähigkeiten für selbstständige Tätigkeiten im curricularen Angebot der Studiengänge, andere sehen dies eher im Rahmen von zusätzlichen Angeboten realisierbar. Das von ASHEXIST geplante „Studium Professionale“ als Wahlangebot wäre hierbei eine Möglichkeit, beide Ansätze zu verknüpfen. In diese Richtung gingen auch einige konkrete Vorschläge der Lehrenden wie:

„Passgenaue Angebote zur Auswahl anbieten, die von vornherein für alle SAGE-Disziplinen bedeutend sind und diese studiengangübergreifend ausrichten.“

Die Befragten legen damit nahe, dass es sich bei der Förderung des selbstständigen Denkens und Handelns einerseits um eine Querschnittsaufgabe handelt, dass andererseits aber auch gewisse spezialisierte Kompetenzen und Angebote und eine zentrale Anlaufstelle erforderlich sind. Die Notwendigkeit einer zentralen Anlaufstelle wird von einer großen Mehrheit der Befragten (86%) gesehen. Hierfür werden verschiedene Gründe aufgeführt, insbesondere eine erhöhte Sichtbarkeit für die Studierenden, Möglichkeiten der Vernetzung und ein vereinfachter Zugang zu Unterstützungsmöglichkeiten sowie zu Beratung und Informationen rund um das Thema. Dass aber auch durch eine solche Anlaufstelle nicht ‚automatisch‘ alle Aspekte abgedeckt wären, betont die Aussage eine_r Lehrenden:

„das Thema Selbständigkeit [sollte] in allen Veranstaltungen ‚mitgedacht‘ werden (…), um überhaupt ein Bewusstsein für die Möglichkeit selbstständiger Tätigkeiten als realistische berufliche Perspektive zu schaffen“.

Einige Befragten wiesen zu Recht darauf hin, dass es in Berlin bereits viele Förderangebote gebe. Diese Anmerkungen sind wichtig – der Ansatz von Career Service und ASHEXIST ist es auch gar nicht, ‚das Rad neu zu erfinden‘. Wir begreifen uns als Akteur_innen im Netzwerk und auch als Schnittstelle zu anderen Anlaufstellen und Angeboten. Wir wollen den Hochschulangehörigen der ASH Berlin aufzeigen, welche Möglichkeiten es in der breitgefächerten Förderlandschaft gibt und wir gehen passende Partnerschaften ein, z.B. zur Gründerinnenzentrale oder dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland. Es braucht aber auch eine Vermittlungsfunktion zu den SAGE-Fächern und deren Kulturen und ergänzende passgenaue Angebote. Dies betont auch ein_ Befragte_ mit dem Wunsch nach einem

„(…) Fokus auf nachhaltiges, sozialverantwortliches Wirtschaften (…) abseits der existierenden Plattformen für Existenzgründer_innen; [sowie] kollektive und alternative Ökonomie, gern auch nicht-gewinnorientierte ‚Unternehmen‘ als alternative Perspektive einbinden und neue Räume schaffen“.

Insgesamt halten die Lehrenden es für wichtig, Selbstständigkeit(en) in ihrer Vielfältigkeit zu fokussieren: „Förderung der Berufsfähigkeit“, „Befähigung zur Leitung von Projekten“ „Gründungsförderung“ und „Förderung von Intrapreneurship“ werden als (fast) gleichermaßen bedeutsam genannt. Auch dies deckt sich mit dem Ansatz von ASHEXIST; als Projekt des Career Service stellen wir berufsbezogene Kompetenzen in den Vordergrund. Selbstständigkeit ist heute keine Einbahnstraße, Berufsbiographien sind oft ‚hybride‘, mit abwechselnden Phasen der Selbstständigkeit und der abhängigen Beschäftigung (siehe z.B. Bührmann et al. 2018). Wir wollen Studierende daher unterstützen, Fähigkeiten zu entwickeln, die für beide Kontexte hilfreich sind.

Die Teilnehmer_innen der Befragung haben uns gezeigt, dass wir mit ASHEXIST auf einem guten Weg sind, sie bestärken uns in unserem breit angelegten Ansatz und den Inhalten und geben uns Hinweise, worauf wir im Projektverlauf Acht geben sollten. Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen an diesen verschiedenen und vielfältigen Ideen weiterzuarbeiten und unseren Studierenden neue Möglichkeiten aufzuzeigen!

 

Literatur:

Bührmann, A./Fachinger, U./Welskop-Deffaa, E. (Hg.) (2018): Hybride Erwerbsformen. Digitalisierung, Diversität und sozialpolitische Gestaltungsoptionen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 


[1] Die Erhebung fand zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 statt. Es wurde dabei ein aussagekräftiges Bild der ASH-Lehrenden erfasst (z.B. in Bezug auf verschiedene Statusgruppen, Studiengänge, Geschlechter und Dauer der Lehrtätigkeit an der ASH, N = 49). Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Teilnehmenden!