Engagement für Geflüchtete Unser Praktikant aus Syrien

Ein Erfahrungsbericht aus dem Zentrum für Weiterbildung der ASH Berlin

Vergrößern: Ein Graffiti Stencil "Kein Mensch ist illegal" wurde auf den Asphalt gesprüht.
© fritsch_photocase

Die Idee, einen Geflüchteten als Praktikanten zu beschäftigen, entstand aus den vielen Diskussionen rund um die Situation der Geflüchteten an der ASH Berlin. Prof. Dr. Nivedita Prasad fragte uns, ob wir uns so etwas vorstellen können und wir sagten spontan zu. Zuerst mussten natürlich einige bürokratische Hürden überwunden werden. Auf unsere Stellenausschreibung hin meldete sich Souliyman aus Damaskus. Wir fanden Souliyman sofort sympathisch und konnten uns eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Seine Deutschkenntnisse waren noch nicht so gut – er absolvierte gerade einen Kursan der Volkshochschule.

Er arbeitete bei uns von September bis Oktober 2015. Zu seinen Aufgaben gehörte es, Werbematerial zu verschicken und die Seminarräume einzurichten. In dieser Zeit haben wir von Souliyman viel über die Situation von Geflüchteten gelernt und wir sind sehr dankbar für diese Erfahrung. Souliyman ist ein sehr politischer Mensch und wir haben oft mit ihm über die Situation in Syrien diskutiert. Er brachte manchmal Aspekte mit ein, an die wir nie gedacht hätten.

„Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mit den Angestellten aus dem Büro Freundschaft geschlossen und bin immer noch in Kontakt mit ihnen. Jede solcher Erfahrungen ist ein großer Gewinn für die Zukunft!“

„Ich habe das Praktikum gemacht, weil ich Kontakt mit anderen aufnehmen und meine Sprachfähigkeiten verbessern wollte. Zudem wollte ich auch die Denk- und Arbeitsweise der Deutschen besser verstehen lernen und mich in ihre Gesellschaft integrieren.“

Souliyman Alattar, ehemaliger Praktikant

Die Erzählungen über seine Flucht haben mich nachhaltig beeindruckt und beschäftigt. Wie würde es mir gehen, wenn ich aus meinem Land fliehen müsste? Hätte ich diese Kraft, mich ins Ungewisse zu begeben? Souliyman und seine Familie führten in Damaskus vor dem Krieg ein gutes Leben. Sie mussten aus politischen Gründen ihr Haus und ihre Angehörigen verlassen.Ich empfinde viel Respekt vor einem solchen Lebensweg und verstehe nicht, warum so viele Mitbürger/-innen diesen Menschen so feindlich gegenüberstehen. Nach anderthalb Jahren konnte Souliyman seine Frau und seine zwei Kinder nachholen. Beide Kinder sprechen mittlerweile sehr gut deutsch und haben sich hier schnell eingelebt.


Wir haben mit Souliyman auch viel über die deutsche Sprache gelernt. Souliyman fragte uns oft, warum es so viele Worte gäbe: hinunter, heraus, unter, über usw., usw.!
Und warum heißt es eigentlich: „… schönen Feierabend – Danke, gleichfalls“. Unser Büro war gespickt mit kleinen Zettelchen mit Redewendungen. Souliyman brachte auch ab und zu Briefe von Behörden mit, die er nicht verstand. (Auch wir brauchten einige Zeit, um sie zu verstehen!) Wir kamen zu dem gemeinsamen Urteil, dass es hier in Deutschland sehr bürokratisch zugeht.

Die Praktikumszeit ging sehr schnell vorbei. Ab und zu kommt Souliyman uns noch besuchen. Wir hoffen, dass wir weiterhin in Kontakt mit ihm bleiben. Wir sind sehr dankbar für diese Erfahrung und würden jederzeit wieder einen Geflüchteten oder eine Geflüchtete als Praktikant/-in beschäftigen. Schöner wäre es natürlich, wenn wir auch etwas dafür bezahlen könnten.

Souliyman und seiner Familie wünschen wir alles erdenklich Gute!