Ausstellung Rassismus Tatorte

Wanderausstellung „Rassismus und rechte Gewalt in Marzahn-Hellersdorf“

Vergrößern: Eine Kletterspinne im Bürgerpark Marzahn
Bürgerpark Marzahn: Am 26.09.15 wird im Bürgerpark Marzahn ein 10-Jähriger beim Spielen von einem Erwachsenen rassistisch beleidigt und im Nacken gepackt. Der Täter lässt erst von dem Jungen ab, als zwei andere Kinder eingreifen. Quelle: Pressemeldung der Polizei © Antirassistische Registerstelle

Die Bilder zeigen alltägliche Orte in der Stadt, ohne Hinweise auf Außergewöhnliches. Erst in der Zusammenstellung mit den Meldungen aus dem Antirassistischen Register[1] wird deutlich, was hier thematisiert wird: Schauplätze von diskriminierenden Erfahrungen und gewalttätigen Situationen, teils flüchtig, teils traumatisierend. Zu sehen sind Tatorte rechter Gewalt[2] aus Marzahn-Hellersdorf, an denen im vergangenen Jahr dokumentierte Vorfälle stattgefunden haben.

Die Perspektive der Angegriffenen kann mit den Fotografien kaum visualisiert werden. Die individuellen Geschichten, die konkreten und späteren Umgangsweisen oder Folgewirkungen, die Angst, die Empörung und der Widerstand bleiben verborgen.

Für 2015 wurde in ganz Berlin eine Zunahme rechter Gewalt verzeichnet. Die Opferberatungsstelle ReachOut schreibt: „Am gravierendsten ist die Lage in Marzahn-Hellersdorf, wo die Zahl an Angriffen und Bedrohungen wesentlich höher ist als in anderen Ostberliner Randbezirken.“[3] Den krassen Anstieg von Gewalt vor den Türen der Hochschule sollten wir wahrnehmen, das Ausmaß erfassen und kommunizieren.[4] Mögliche Handlungsfelder sind vielfältig: die bestehenden zivilgesellschaftlichen Strukturen und Bündnisse unterstützen, die Perspektiven der Opfer ernst nehmen, besonders verletzlichen Gruppen Schutz ermöglichen und gemeinsame Handlungsstrategien sowie die demokratische Kultur weiter entwickeln.

Die Ausstellung ist auch eine Aufforderung: hinsehen, sich – den eigenen Möglichkeiten angemessen – einmischen, Hilfe holen, wenn andere beleidigt, diskriminiert oder angegriffen werden. Das gilt natürlich nicht ausschließlich, aber doch explizit für den Standort der ASH Berlin.

Die Wanderausstellung „Rassismus und rechte Gewalt in Marzahn-Hellersdorf“ des AStA und der Registerstelle der ASH Berlin kann in verschiedenen Einrichtungen gezeigt werden. Kontakt und Anfragen: arreg@ avoid-unrequested-mailsash-berlin.eu


[1]          Die Registerstelle der ASH Berlin dokumentiert rassistisch, antisemitisch, LGBTQI*-feindlich, antiziganistisch, rechtsextrem, rechtspopulistisch und andere diskriminierend motivierte Vorfälle, die sich in Marzahn-Hellersdorf ereignen. Sie ist Teil des Netzwerkes des Berliner Registers zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin.

[2]          Der Gewaltbegriff wird weit verstanden: Er reicht von rassistischen Slogans gegen Asylunterkünfte, über transphobe Beleidigungen im Supermarkt, bis zu Einschüchterungen und körperlicher Gewalt.

[3]          Pressemitteilung der Berliner Register und der Opferberatungsstelle ReachOut für das Jahr 2015, 08.03.2016.

[4]          Zur Auswertung und Chronik für Berlin siehe Berliner Register (www.berliner-register.de), für Marzahn-Hellersdorf siehe: „Dunkelziffer unbekannt. Rassismus und rechte Gewalt in Marzahn-Hellersdorf. Frühjahr 2016“, Hg.: AK Rechte Gewalt, Antirassistische Registerstelle, AStA der ASH Berlin 2016 sowie „Jahresbericht zur Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf 2015“, Hg: Stiftung SPI Sozialpädagogisches Institut Berlin – „Walter May“, 2016.