...und dann kam Corona Ich kann jetzt sehr gut Bobby Car fahren

Lucia Maack, Referentin des Rektorats, im Interview über Home Office und fehlende Kinderbetreuung

Vergrößern: Porträt von Lucia Maack und ihrem Sohn - beide lachen in die Kamera
Lucia Maack mit ihrem Sohn im Home Office

Sie arbeiten seit dem 23.03.2020 im Home Office, wie haben Sie sich darauf vorbereiten können?

Maack: Ich habe viele der von mir benötigten Dateien auf zwei USB-Sticks gespeichert, um im Home Office arbeiten zu können. Laufend zu bearbeitende Dokumente habe ich in die OX-Cloud geladen, damit verschiedene Personen Zugriff haben, ohne viele E-Mails zu versenden. Eine Herausforderung wird die Synchronisierung der Daten nach Ende der Schließzeit der Hochschule sein.

Wie läuft die Arbeit im Home Office bisher?

Maack: Die Arbeit im Home Office läuft an sich gut. Ich habe den Eindruck, dass sich alle Kolleg_innen bemühen, das Beste aus der Situation zu machen und sehr offen für die technischen Mittel sind, die nun zur Kommunikation stärker genutzt werden. Online-Sitzungen sind bereits zur Normalität geworden.
Andererseits fehlt mir der kollegiale Austausch in Pausen. Manches Thema ist besser persönlich zu besprechen als in E-Mails oder per Telefon.

Wie klappt die Vereinbarung von Home Office und Familie?

Maack: Einen großen, leider negativen Einfluss auf die Arbeit im Home Office hatte die fehlende Kinderbetreuung meines 18 Monate alten Sohnes. Obwohl mein Mann und ich uns mit der Arbeitszeit und der Betreuung gleichmäßig abgewechselt haben, waren alle Tage zu kurz, um alles zu erledigen. Daher bin ich sehr erleichtert, dass unser Sohn seit letzter Woche wieder seine KiTa besuchen darf.
Meiner Meinung nach ist für die Vereinbarung von Familie und Beruf wesentlich, dass es Betreuungsangebote für Kinder in ausreichendem Umfang gibt. Der Arbeitsort – Home Office oder Büro – an sich macht es nicht automatisch leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren.
In normaleren Zeiten erlaubt das Home Office – wie die Gleitzeit – Menschen sicher, berufliche und außerberufliche Belange besser zu vereinbaren und ihre Zeit freier zu gestalten. In der jetzt stattfindenden Schließzeit hatten wir als Elternpaar allerdings keine zeitliche Flexibilität außerhalb des absolut Notwendigen, Arbeitsstunden und Kinderbetreuung, mehr.

Was würden Sie sich für Eltern während der Corona-Krise wünschen?

Maack: Ich bin froh, dass an der ASH Berlin die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig ist und kulante Regelungen gefunden wurden, um die negativen Effekte auf arbeitende Eltern zu vermindern. Ich würde mir wünschen, dass das Erziehen von Kindern insgesamt stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden würde.

Gibt es auch positive Effekte?

Maack: Für die ASH Berlin ist sicher positiv, dass viele Menschen digitale Angebote nun stärker nutzen und diese Kompetenzen auch nach der Corona-Schließzeit nutzen können. Sicher hat sich auch die Einstellung einiger Personen zum Home Office verändert. Ich erlebe die Kolleg_innen trotz fehlender physischer Präsenz als ansprechbar und meist hoch motiviert. Diese Erfahrung kann sicher auch Vorbehalte gegen die Arbeit im Home Office teilweise ausräumen – auch wenn ich mir ununterbrochenes Home Office bis zur Rente nicht vorstellen will.
Ein weiterer positiver Effekt ist, dass ich jetzt sehr gut Bobby Car fahren kann ... Vielleicht ein Einstieg in eine Rennkarriere?

Was war ein besonders schönes Erlebnis während dieser besonderen Zeit?

Maack: Ein erster Nachmittag mit Freunden am See nach langer Zeit. Die Sonne genießen, ein interessantes Gespräch führen, die Kinder spielen gemeinsam ohne uns und essen Kuchen mit Sand. Alle freuen sich über den Frühling.

 

Die Reihe ...und dann kam Corona beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Hochschulleben und seine Akteur_innen.