Interview Für mehr Anerkennung

Kanzlerin Jana Einsporn über ihre neuen Aufgaben an der ASH Berlin, eine nachhaltige und gesunde Hochschule und eine moderne Verwaltung

Vergrößern: Jana Einsporn Porträt mit Brille
Jana Einsporn

Warum haben Sie sich für die ASH Berlin entschieden?

Einsporn: Zunächst möchte ich mich bei allen Beteiligten dafür bedanken, dass mein Interesse an der Zusammenarbeit auch Bestätigung gefunden hat. Als Ur-Berlinerin ist mir die ASH Berlin schon lange bekannt. Zu Studienzeiten habe ich Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche organisiert und dort mit vielen Betreuerinnen und Betreuern zusammengearbeitet, die an der ASH Berlin studierten. Aus diesen Jahren ergibt sich mein Bezug zu pädagogischer Arbeit und sozialen Themen. Natürlich ist mir die tolle Entwicklung der Hochschule in den letzten Jahren nicht entgangen, aktuell erleben wir eine wachsende gesellschaftliche Beachtung der sozialen Berufsgruppen. Daher sehe ich die ASH Berlin auch für die Zukunft in einer sehr spannenden und herausfordernden Entwicklung. Ich möchte an der nachhaltigen Förderung von pädagogischem Personal, Pflegekräften und weiteren Fachkräften im sozialen Bereich mitwirken und mich für mehr Anerkennung einsetzen. 

 

Was macht den Beruf Kanzlerin einer Hochschule für Sie so interessant?

Einsporn: Schon während meines Studiums an der HU Berlin hat mich das Hochschulleben begeistert. Daher habe ich auch gezielt nach Möglichkeiten gesucht, in diesem Umfeld meine Fachkompetenz als Juristin beruflich einzubringen. Die Hochschulverwaltung empfinde ich als lebendige Organisation, die den Lehrbetrieb bestmöglich unterstützen und fördern sollte. Diese auch gestaltenden Aufgaben finde ich spannend und sehr interessant.

 

Seit 2014 waren Sie Kanzlerin an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde. Was war dort Ihre größte Herausforderung?

Einsporn: Bis 2014 habe ich an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg gearbeitet. In Eberswalde dann erstmalig als Kanzlerin in der Verantwortung zu stehen  und für mich auch die fachliche Umstellung der Lehrgebiete auf Forstwirtschaft und nachhaltige Entwicklung zu vollziehen, waren meine größten Herausforderungen. Die Verwaltung hat ihre Aufgaben und Prozesse, das ist klar und notwendig. Aber dennoch halte ich es für ganz wichtig, das Thema der Hochschule mit einzubeziehen, denn daraus ergeben sich auch in der Verwaltung ganz unterschiedliche Ansätze und Perspektiven. Daher freue ich mich schon, den Lehrbetrieb für soziale Berufe an der ASH Berlin kennenzulernen und zu erfahren, welche Besonderheiten und Anforderungen sich daraus ergeben. 

 

"Bewährtes bewahren und zugleich neue Wege nicht als Unsicherheit, sondern als Chance zu sehen und sie mit Neugier zu beschreiten, darin steckt für mich Nachhaltigkeit."

 

Sie kommen von der HNE, auch die ASH Berlin möchte nachhaltiger werden. Welche Ideen und Anregungen bringen Sie mit?

Einsporn: Nachhaltigkeit wird heute von vielen Unternehmen und Organisationen in Leitbildern und Zielen festgehalten. Dadurch ist erstmal eine große Aufmerksamkeit geschaffen und es wird auch Verantwortung übernommen. Nachhaltigkeit in die tägliche Arbeit einzubeziehen und auch strategisch die Entwicklung darauf auszurichten, ist nicht so einfach. Ziel sollte immer ein verantwortungsvoller Umgang mit ökologischen und ökonomischen Ressourcen sein. Natürlich möchte ich Energie- und Umweltaspekte berücksichtigen, aber Nachhaltigkeit bedeutet mehr. Entscheidungen basieren oft auf unterschiedlichen Gesichtspunkten, müssen mitunter auch kurzfristig getroffen werden – ich denke z. B. gerade an die letzten Monate in der Corona-Pandemie. Hier war es erstmal wichtig, kurzfristig Gesundheit zu schützen. Veränderungen, wie wir nachhaltig mit den neuen Gegebenheiten umgehen, können erst im Laufe der Zeit vorgenommen werden.
Wichtig finde ich immer zu überlegen, wie wirkt sich etwas kurz-, mittel- und langfristig aus und welche Alternativen bieten sich. Bewährtes bewahren und zugleich neue Wege nicht als Unsicherheit, sondern als Chance zu sehen und sie mit Neugier zu beschreiten, darin steckt für mich Nachhaltigkeit. Konkrete Dinge kann ich noch nicht formulieren, ich möchte zunächst auch alle Kolleginnen und Kollegen und ihre Ideen kennenlernen und mir Eindrücke verschaffen.

 

Auch Gesundheit ist ein wichtiges Thema an der ASH Berlin. Welche Möglichkeiten sehen Sie da?

Einsporn: Die Gesundheit liegt auch mir besonders am Herzen. Aus meiner Erfahrung von der HNE haben wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit der Weiterentwicklung des betrieblichen Gesundheitsmanagements neue Anregungen und Ideen gegeben – und auch viel Spaß bereitet. Förderung von Bewegung im Arbeitsalltag, ergonomische Arbeitsplätze, gesunde Ernährung und vieles mehr sind doch Themen, aus denen sich jeder etwas für sich mitnehmen kann.

 

Die ASH Berlin steht gerade mitten in einem Neubauprozess. Auch damit haben Sie schon Erfahrung an der HNE sammeln können, oder?

Einsporn: Für beide Hochschulen freut es mich, dass sie großen Zuspruch finden und die Zahl der Studierenden so stark steigt, dass neue Räumlichkeiten geschaffen werden. In Eberswalde konnte ich dieses spannende Projekt nicht so weit mitgestalten, wie es aufgrund der Arbeit meiner Vorgänger und aller anderen Beteiligten hier an der ASH Berlin schon ist. Der Bauantrag ist genehmigt, die Finanzierung ist gesichert und es steht ein Zeitplan für die Umsetzung. Auch hier möchte ich mir einen Überblick verschaffen, an welchem Stand die Planungen sind und inwieweit ich mich einbringen kann. Bei der Gestaltung der Büros und Arbeitsplätze würde ich gerne mitwirken, wenn es Möglichkeiten gibt.

 

"Moderne Verwaltung bedeutet für mich eine service- und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern."

 

Die ASH Berlin ist eine familienfreundliche Hochschule. Sie selbst haben auch drei Kinder. Welche Arbeitsbedingungen sind für Familien wichtig?

Einsporn: Das Arbeitsleben mit dem Familienleben in Einklang zu bringen ist herausfordernd, aber nicht nur für mich, sondern für viele Kolleginnen und Kollegen. In meinen Überlegungen trifft es eher die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, denn auch Mitarbeiter_innen ohne Kinder haben Wünsche, Verpflichtungen oder Hobbys, die etwas Flexibilität erfordern. Wie können wir es schaffen die Anforderungen unseres Hochschulbetriebs mit modernen Arbeitszeitmodellen in Einklang zu bringen? Welche technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um effizient und flexibel miteinander zu arbeiten, auch wenn wir nicht immer am gleichen Ort sind? Das sind auch mit Blick auf die aktuellen Umstände zur Corona-Pandemie zentrale Themen für die Hochschule, für die Kolleginnen und Kollegen, und für die Mütter und Väter, die Kinder zeitweilig auch zu Schulzeiten zu Hause betreuen und mobil arbeiten müssen. 

 

Welche Themen und Ziele bringen Sie persönlich mit an die ASH Berlin?

Einsporn: Ich wünsche mir eine motivierende und offene Arbeitsatmosphäre, den konstruktiven und kritischen Austausch und zugleich ein kollegiales Miteinander. Moderne Verwaltung bedeutet für mich eine service- und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern. Mir ist klar, dass das ganz ambitionierte Vorstellungen sind, die sich nicht in jeder Situation widerspiegeln. Dennoch finde ich diese Zielsetzungen wichtig, um vor allem auch in schwierigen Phasen eine Ausrichtung zu haben.