Hochschulleben Freedom of Information under Pressure//Bilgi Özgürlüğü Baski Altinda/ Azadiya Zanistê di bin Zextê de ye/ Informationsfreiheit unter Druck/ حرية المعلومات تحت الضغط, Litertad de Informacion en Perillo

Symposium an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Donnerstag, den 21.6.2017 von 13 bis 19 Uhr und Freitag, den 22.6. von 10 bis 15 Uhr

 

Vergrößern: Frauen vor und neben Plakaten für die Pressefreiheit in der Türkei
Bei der Kundgebung für die Pressefreiheit in der Türkei in Berlin am 3. Mai 2017. Dieses Foto und die folgenden Fotos werden in der Fotoausstellung von Student_innen auf dem Symposium zu sehen sein © Culture, Aesthetics, Media as Social Work Class, ASH Berlin

English see below

„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten“ (Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte).

Kommunikationsrechte und Informationsfreiheit sind seit ihrer Festschreibung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 immer wieder in Gefahr. Seit einiger Zeit wird nun die öffentliche Debatte von „alternativen Fakten”, „Fake News”, „Hate Speech” und einer verstärkten Überwachung und Kontrolle der digitalen Kommunikation geprägt. Das individuelle Recht auf Information und Kommunikation gerät so unter Druck. Aktuell können wir in der Türkei wie in einem Modellversuch beobachten, wie Kommunikations- und Informationsrechte systematisch ausgehöhlt und wie Journalist_innen und Medienaktivist_innen massenweise verhaftet werden.

Aber nicht nur in autoritär verfassten Systemen sind Kommunikationsrechte und Informationsfreiheit in Gefahr. Die Privatisierung und Kommerzialisierung von Medien hat zu einer Bildung von Monopolen geführt, die die Macht haben, unseren Blick auf die Welt maßgeblich zu beeinflussen. Die Gründe für diese Entwicklung sind vor allem darin zu sehen, dass das Recht auf Kommunikation und Information nicht ausreichend etabliert und gegen das Interesse globaler Medienkonzerne, die es als Ware definiert haben, verteidigt werden konnte. Auf dem Symposium wollen wir uns einen Überblick über diese Entwicklungen verschaffen und Konzepte einer transnationalen, solidarischen Kommunikation mit Medienaktivist_innen und Journalist_innen diskutieren.

Hintergrund

Im März 2015 wurde auf dem letzten Weltsozialforum in Tunis die Globale Charta der Freien Medien verabschiedet. Sie ist das Ergebnis eines kollektiven Abstimmungsprozesses, der im Jahr 2013 begann und gilt als Ausdruck des Engagements für eine allgemein zugängliche und emanzipative Kommunikation. Die Charta soll marginalisierten Gruppierungen eine Stimme geben, der Diversität menschlicher Kommunikation zur Durchsetzung verhelfen und Kommunikation – im Sinne der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – als Recht und nicht als Ware definieren.

Seinen Ursprung hat das Weltforum der Freien Medien im Weltsozialforumsprozess vor allem im Eintreten lateinamerikanischer indigener Gruppen für den Zugang zu Kommunikationsmedien  und eine öffentliche Repräsentation ihrer Anliegen und Themen. Viele dieser Gruppen und sozialen Bewegungen sehen den Aufbau eigener Kommunikationsmedien wie zum Beispiel Community Radios als einen wichtigen Beitrag zur Gemeindearbeit. Hier spiegelt sich ein Ansatz der Internationalen Sozialen Arbeit und Medienpädagogik wie er auch an der Alice Salomon Hochschule Berlin gelehrt und genutzt wird.

Das Symposium

Das Symposium dient dazu, die aktuelle und offensichtliche Repression und die indirekte Zensur durch Kommerzialisierung und Monopolisierung zu diskutieren und Konzepte für eine transnationale solidarische Kommunikation zu entwickeln. In Workshops wollen wir die Themen mit den einzelnen Sprecher_innen vertiefen.

Die eingeladenen Organisationen/ Sprecher_innen sind: Anne Renzenbring: Reporter ohne Grenzen, die als NGO mit ihren Korrespondent_innen in 130 Ländern für Informationsfreiheit und die Freilassung von Journalist_innen und Medienaktivist_innen arbeiten; Şûjin, eine kurdische Frauennachrichtenagentur, die aus einer feministischen Perspektive berichtet und sich  als Gegenöffentlichkeit zu „sexistischen, militaristischen und patriachalen Medien“ positioniert; dokuz8haber, ein Bürger*innenjournalismus-Medium, das sich im Kontext der Gezi Park Bewegung gegründet hat und mit der Hilfe von 250 Medienaktivist_innen im ganzen Land auf verschiedenen Social Media Kanälen berichtet; Muzaffer Kaya: Academics for Peace, ein Netzwerk von Wissenschaftler_innen, die seit der Unterzeichnung einer Petition gegen den Krieg gegen die Kurd_innen und für eine neue Friedensinitiative im Nordosten der Türkei verschiedenen Repressionen ausgesetzt sind; Ebru Tasdemir: taz.gazete, ein zweisprachiges Webportal, das Anfang 2017 initiiert wurde und „Artikel, Kolumnen, Interviews, Analysen und Reportagen veröffentlicht, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Türkei und der Diaspora beschäftigen”; Erika Campelo: World Media Forum; und Wissenschaftler_innen und Journalist_innen von verschiedenen Universitäten und Medien in Deutschland. 

Die Vorbereitung und Durchführung des Symposiums erfolgt durch Student_innen des Seminars „Kultur, Ästhetik, Medien als Soziale Arbeit” und Prof. Ulrike Hemberger und Dr. Andrea Plöger von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Dr. Christian Schröder von der Universität Luxemburg.

Das Symposium wird ermöglicht durch die Alice Salomon Hochschule Berlin und unterstützt durch die Böckler Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

 

Symposium at the Alice Salomon University for Applied Sciences

From Thursday, the 22d of June 2017 at 1pm to 7pm to Friday, the 23d of June from 10am to 3pm.

"Everyone has the right to freedom of opinion and expression; this right includes freedom to hold opinions without interference and to seek, receive and impart information and ideas through any media and regardless of frontiers" (Article 19 of the Universal Declaration of Human Rights).

Communication Rights and Freedom of Information have been contested ever since the Universal Declaration of Human Rights was passed in 1948. Now, we are shifting into a time where alternative facts, fake news, hate speech and a repressive surveillance apparatus mark the public discourse and put the individual right to information and communication under pressure.

Lately Turkey presents us with a laboratory for the systematic erosion of Communication and Information Rights, as well as an example for massive arrests of journalists and media activists. But Communication Rights and Freedom of Information are not only in danger in countries of political authoritarianism. Privatisation and commercialisation of media has led to media monopols, which have the power to signifcantly influence our understanding of the world. The responsibility for these developments lies with the failure to protect and establish communication and information as a right in contrary to the approach of global media players which have successfully turned it into a commodity. In this symposium we want get an overview of these historical and actual developments and discuss concepts of a transnational solidary communication with media activists and journalists.

Background

At the World Social Forum in March 2015 in Tunis, the World Charter of Free Media was passed as the outcome of a collective process and engagement for communication rights. The charter was intended to facilitate the publicity also for marginalized groups and to help the diversity of human communication to be represented – following the Universal Declaration of Human Rights. It was also issued to give weight to the definition of communication as a right and not as a commodity.

The origin of the World Forum of Free Media can be traced back to the struggle of Latin American indigenous groups for access to media, representation and the chance to create one´s own alternative media. This is and was especially useful for community building. It is reflecting the principles of International Social Work and Media Pedagogy as also taught and used at the Alice Salomon University of Applied Sciences.

The Symposium

In this symposium we want to discuss the current situation of blatant repression up to indirect censorship by commercialization and monopolization of media. We also aim to come up with concepts of a solidary transnational and free communication. After the panels, the workshops will give us the opportunity to discuss more in detail with the speakers.

The invited organisations/ speakers are so far: Reporters without Borders, a transnational NGO with a network with correspondents in 130 countries of the world struggling for freedom of information and the freedom of journalists and media activists; Şûjin, a Kurdish women news agency is reporting from a feminist perspective and continues to counter „sexist, militarist patriarchal media“ messages; dokuz8haber, which was founded in the context of the Gezi Park Movement and is practicing citizen journalism with the support of about 250 media activists whose reports are distributed on the social media; Academics for Peace (tbc) which is a network of scientists who are facing repression since they signed a petition in 2016 pleading for peace and against the war in the South East of Turkey; taz.gazete which is a bilingual website, which was initiated in the beginning of 2017 publishing “articles, interviews, analyses and reports about actual societal and political developments in Turkey and the diaspora”;  and scientists and journalists from different universities and media in Germany.

The preparation and facilitation of the symposium is done by students of a Culture Aesthetics and Media as Social Work Class, Prof. Ulrike Hemberger and Dr. Andrea Plöger from the Alice Salomon University of Applied Sciences and Dr. Christian Schröder from the University of Luxemburg.

The symposium is held and facilitated by the Alice Salomon University of Applied Sciences, by the Böckler Foundation and the Rosa-Luxemburg-Foundation.