...und dann kam Corona Die Lehre ist nun leider stärker hierarchisch

Lehrbeauftragter und Gastprofessor Dr. Thomas Schäfer im Interview über die Vor- und Nachteile des Online-Semesters

Vergrößern: Porträt von Thomas Schäfer, Lehrbeauftragter an der ASH Berlin
© ASH Berlin

Seit wann arbeiten Sie im Home Office?

Schäfer:
Bezüglich Corona seit März, ansonsten schon sehr lange angesichts jahrzehntelanger freiberuflicher Tätigkeit.

 

Wie haben Sie sich darauf vorbereiten können?

Schäfer: Vor allem durch Austausch mit Kolleg_innen und durch Erfahrungen von der Fernuni Hagen, bei der ich lange tätig war.

 

Wie läuft die Arbeit im Home Office?

Schäfer: Neben dem mangelnden Kontakt der persönlichen Begegnung, kann ich der damit verbundenen Ruhe und größeren Konzentriertheit durchaus einiges abgewinnen.

 

Haben sich bereits Strukturen verändert etc?

Schäfer: Verändert hat sich natürlich meine Tagesstruktur, aber auch die Lehre, die nun (leider) stärker hierarchisch, leitend-direktiv ist.

 

Wie klappt es mit der Online-Lehre?

Schäfer: In meinen Augen klappt es gut, es gibt wenig technische oder inhaltliche Probleme bei mir oder den Studis. Was eben nur fehlt, ist die persönliche Begegnung und die damit verbundene größere Begeisterungsfähigkeit und Beziehungsarbeit.

 

Gibt es Ihrer Erfahrung nach einen guten Mix in der Online-Lehre?

Schäfer: Nach meinen bisherigen Erfahrungen scheint es für die Studierenden am angenehmsten, ein gut vorbereitetes Material, etwa PowerPoint mit Audio-Kommentar, eigenständig zu bearbeiten, und dann in Zoom-Konferenzen dazu einen ergänzenden, nicht allzu ausgedehnten Austausch zu haben. Die Teilnehmer_innenzahl in meinen Online-Seminaren liegt im Schnitt bei 18-28 Studierenden.

 

Wie haben Sie sich auf das Online-Semester vorbereitet und mit welchen Formaten arbeiten Sie?

Schäfer: Ich habe mein technisches Know-how etwas verbessert und die Seminarpläne etwas anders angelegt, damit das Selbststudium leichter fällt. Ich arbeite vor allem mit Audio-PowerPoints und Zoom-Konferenzen sowie didaktisch aufbereiteten Text-Materialien.

 

„Schön finde ich, dass wir uns in den Zoom-Meetings alle mal in unseren privaten Lebenssphären begegnen.“

 

Haben Sie einen Einblick in die Situation der Studierenden bekommen, wie sie mit der aktuellen Situation während der Corona-Pandemie zurechtkommen?

Schäfer: Die Studierenden erleben das offensichtlich sehr unterschiedlich. Viele empfinden Überlastung, vor allem wenn sie Kinder haben, die sie zu Hause betreuen müssen, andere dagegen erleben ein Stück Freiheit im Sinne individuellerer Zeitgestaltung. Wie sehr die einzelnen allerdings in der Lage sind, sich selbst gut zu organisieren und den Mangel an persönlichen Kontakten zu verarbeiten, kann ich nicht wirklich einschätzen.


Gibt es ein besonders schönes Erlebnis während dieser außergewöhnlichen Zeit?

Schäfer: Schön finde ich, dass wir uns alle mal in unseren privaten Lebenssphären begegnen (Zoom-Meetings). Das fühlt sich mehr wie im „richtigen Leben" an als im ja doch recht förmlichen und „künstlichen" Seminarraum. Schön auch, dass man am Computer alle Gesichter plus Namen frontal vor sich hat.
Ich finde es eine interessante Erfahrung, dass man im Online-Betrieb deutlich mehr auf sich selbst zurückgeworfen ist – was zu können ich aber schon immer für eine hohe Kompetenz hielt, also das beruhigte Für-sich-sein-können. In der Philosophie durfte oder musste ich mir davon schon einiges, z.T. auch recht schmerzhaft, aneignen.

 

Was könnte im nächsten Semester noch besser gemacht werden, wenn es wieder auf ein Online-Semester hinausläuft?

Schäfer: Ich habe den Eindruck, so jedenfalls die Auskunft Studierender, dass in einigen Seminaren weder das Material noch die Bearbeitungshinweise gut nachvollziehbar sind. Daran sollten wir Lehrende vor allem arbeiten.

 

Dr. Thomas Schäfer ist Lehrbeauftragter im Bereich Ethik und Sozialphilosophie.

 

Die Reihe ...und dann kam Corona beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Hochschulleben und seine Akteur_innen.