Hate Speech Rassismus, Antisemitismus und Verschwörung

Das neue Forschungsprojekt Digitaler Hass - Digitale Hassreden und Verschwörungsideologien in Zeiten der COVID-19-Pandemie

Vergrößern: Ein blaues Blatt mit einer Sprechblase drauf. Darin Ausrufezeichen und Hashtags, und eine Faust
© Mika Baumeister on Unsplash

Der Ausbruch von COVID-19 stellt nicht nur eine Herausforderung auf Grund der Belastung der Gesundheitssysteme und der Konsequenzen für die lokale wie globale Ökonomie dar. Laut dem Generaldirektor der WHO erleben wir gleichsam eine ‚Informationspandemie‘ (infodemic), die sich schneller ausbreitet als das SARS-Cov-2. Verschwörungsnarrative und Desinformation kursieren vermehrt im Netz und werden deutlich häufiger aufgerufen als bspw. offizielle Inhalte von Institutionen wie der WHO oder dem Robert Koch Institut. Nicht selten werden diese begleitet von rassistischen und/oder antisemitischen Tropen und Stereotypen. So wurde zu Beginn der Pandemie die asiatische Community für den Ausbruch verantwortlich gemacht. Dieser anfängliche Verdacht wurde schnell auf Migrant_innen im Allgemeinen, Sinti*zze und „Rom*nja sowie Juden*Jüdinnen im Besonderen ausgeweitet. Nicht unerwartet haben Alltagsrassismus und Antisemitismus (analog und virtuell) in Form von Hassreden deutlich zugenommen.

Rassistische und antisemitische Diskurse bringen Schmutz, Dreck, Bakterien und Viren immer schon mit rassifizierten und sexualisierten Körpern in Verbindung. Die Beschuldigung der ‚Anderen‘ für die Heimsuchung der Epidemien (etwa HIV/Aids) ist dabei keineswegs ein neues Phänomen. Im Unterschied zu früheren Pandemien erfolgt die Verbreitung solcher Ideologien nun allerdings durch digitale Technologien, bei welcher soziale Medien eine zentrale Rolle spielen. Die aktuelle Pandemie und ihre rassistischen und antisemitischen Diskurse erfordern somit neue Untersuchungen, denn der Ausbruch von COVID-19 und seine sozialen Folgen können außerhalb der globalen Ausbreitung digitaler Technologien nicht mehr begriffen werden.

Am 1. April 2021 startete das Forschungsprojekt Digitaler Hass,  welches ein hochaktuelles Thema, nämlich Hassreden und Verschwörungstheorien, die im Kontext der COVID-19-Pandemie eine rasche Verbreitung über die Soziale Medien erfahren, untersucht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Verbreitung von rassistischen und antisemitischen Beiträgen, Kommentaren und Aufrufen, die mit Berliner Kooperationspartner_innen systematisch und praxisnah untersucht werden sollen.

Digitaler Hass basiert auf eine innovative und interdisziplinäre Herangehensweise. Die Zusammenarbeit zwischen ASH Berlin und HTW Berlin zielt darauf ab, Hassreden und Verschwörungsnarrative in deutschsprachigen Internet-Diskussionen durch rechnergestützten und algorithmischen Verfahren des Text Mining und des maschinellen Lernens zu untersuchen. Darauf basierend werden über eine diskursanalytische Feinanalyse der Zusammenhang von Verschwörungsnarrativen mit Rassismus und Antisemitismus genauer hergestellt. Die analysierten Datensätze sollen wiederum für die Verbesserung von Algorithmen zur automatischen Identifikation von digitalem Rassismus und Antisemitismus aufbereitet werden. Die Ergebnisse der Analysen werden fortwährend mit zivilgesellschaftlichen Akteur_innen, die etwa im Bereich der Antidiskriminierung und Politischen Bildung tätig sind, diskutiert. Diese unterstützen das Projekt bei der Entwicklung bzw. Verbesserung von Maßnahmen zur Entdeckung, Bewertung und insbesondere Bekämpfung digitaler Hassreden und Verschwörungsnarrative.

Das Forschungsprojekt Digitaler Hass wird wichtige Erkenntnisse zu den diversen Diskursen, die die Pandemie sozusagen als „Beschleuniger“ für die Verbreitung rechter Ideologien nutzen, zeitigen. Über eine breite Untersuchung (Big Data Analysis) und Feinanalyse (Critical Discourse Analysis), wird es möglich sein, die Verschwörungsnarrative und Hassdiskurse genauer darzustellen und sie ideologisch zu verorten. Das wird zivilgesellschaftliche Organisationen in Berlin und darüber hinaus besser in die Lage versetzen, auf diese Diskurse schneller und genauer reagieren zu können.

 

Kurzinformation
Projektname: Digitaler Hass - Digitale Hassreden und Verschwörungsideologien in Zeiten der COVID-19-Pandemie
Projektlaufzeit: 01.04.2021 bis 31.03.2023
Projektleitung: Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (ASH Berlin), Prof. Dr. Helena Mihaljević (HTW Berlin)
Projektförderer: IFAF Berlin e.V.
Projektpartner: Haus der Kulturen der Welt,  Birds on Mars, Landesantidiskriminierungsstelle Berlin (LADS), Amadeu Antonio Stiftung, Bildungsteam Berlin-Brandenburg, Ariba e.V./ Reach Out, Mad About Pandas, Korientation e.V., Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V.
Webseite: www.ifaf-berlin.de/projekte/digitaler-hass/