Forschung Der Blick hinter die körperliche Fassade

Diagnostischer Ultraschall in der Physiotherapie

Vergrößern: Die Beschäftigung mit den Ultraschallgeräten fand bei den Studierenden großen Anklang. Foto: ASH Berlin
Die Beschäftigung mit den Ultraschallgeräten fand bei den Studierenden großen Anklang. Foto: ASH Berlin

Gut bekannte anatomische Strukturen durch Bildgebung in Echtzeit unmittelbar in ihrer Funktion in Augenschein nehmen zu können, faszinierte die Physiotherapiestudierenden des 2. Semesters PQS trotz hochsommerlicher Hitze sofort. Muskeln, Sehnen, Nerven – sonst Gegenstand intensiven theoretischen Lernens und bisher praktisch nur ansatzweise, zum Teil mittels Palpation oder durch beobachtbare Bewegung zu beurteilen – konnten nach einer kurzen Einführung in die Theorie auf dem Bildschirm wiedererkannt bzw. identifiziert werden.

Die Beschäftigung mit den Ultraschallgeräten fand bei den Studierenden großen Anklang. Die Unterrichtseinheit „Einführung in den Ultraschall“ der praktischen Studienphase I (Orthopädie/Traumatologie) macht Anatomie am lebenden Objekt sichtbar. Die schnell einsetzbare Bildgebung und Möglichkeit, Patient_innen unkompliziert die betroffene Struktur zu zeigen, hilft dabei, Maßnahmen zu erläutern. Für die Studierenden eine sehr eindrückliche Erfahrung und schöne Abwechslung, da überaschenderweise alle, obwohl sie vorher noch nie „geschallt“ hatten, die Sehne des flexor pollicis longus darstellen konnten.

Auch Studierende des 6. Semester im PT-Modul „Indikation, Differentialdiagnostik und Screeningverfahren“, welches der Vorbereitung auf den angestrebten Erstkontakt in der Physiotherapie dient, zeigten sich nach dem erstmaligen Einsatz der Ultraschallgeräte im Feedback angetan. Der offensichtliche Nutzen an Patient_innen im Hinblick auf den Erstkontakt wurde deutlich, da auch Patient_innen nicht nur auf das Gesagte vertrauen müssen, sondern selbst sehen können, was passiert. Die Teilnehmer_innen wünschten sich nach dieser Veranstaltung mehr Gelegenheiten, auf diese Weise das theoretische Grundlagenwissen direkt in die Praxis umzusetzen.

Diagnostischer- oder Echtzeit-Ultraschall kann in der Physiotherapie als Ergänzung und Objektivierung des klinischen Untersuchungsbefundes insbesondere von extraartikulären Weichteilen eingesetzt werden. Er dient als Messinstrument für Diagnose, Prognose und Kontrolle. Als nebenwirkungsfreies bildgebendes Verfahren zeichnet er sich durch vergleichsweise niedrige Kosten aus. Die Geräte sind handlich und machen einen schnellen Wechsel zwischen Therapie und Untersuchung möglich. Aus physiotherapeutischer Sicht ist die Ultraschalldiagnostik besonders geeignet für das Schallen in der Funktion. Dieser Echtzeitscan wird als Videosequenz abgespeichert. Einzelne Strukturen können im Verlauf einer Bewegung genau beurteilt werden, auch ein Seitenvergleich ist möglich.

Es ist etwas Besonderes, an der ASH Berlin über zwei Ultraschallgeräte zu verfügen. Der erfolgreiche Einsatz und die positiven Rückmeldungen der Studierenden sprechen für sich.

Die Anschaffung der Ultraschallgeräte wurde ermöglicht durch Investitionsmittel des Instituts für angewandte Forschung (IFAF Berlin). Das IFAF Berlin ist der Zusammenschluss der vier staatlichen Berliner Hochschulen – ASH Berlin, Beuth Hochschule für Technik Berlin, HTW Berlin und HWR Berlin. Es fördert den Ausbau der Forschungsinfrastruktur sowie interdisziplinäre Forschungsprojekte zwischen den Berliner Fachhochschulen mit Praxispartner_innen aus der Hauptstadtregion.

 (Dieser Beitrag erschien erstmals in der alice 36 im Wintersemester 2018/19.)