Forschung Blick in den Einwegspiegel

Erste Ergebnisse aus dem im April 2018 eröffneten Beobachtungslabor an der ASH Berlin

Vergrößern: Im ASH-Beobachtungslabor werden das Verhalten und Wohlbefinden von Kindern untersucht. Foto: Alexander Rentsch/ASH Berlin
Im ASH-Beobachtungslabor werden das Verhalten und Wohlbefinden von Kindern untersucht. Foto: Alexander Rentsch/ASH Berlin

Am 25. April 2018 hatte die ASH Berlin feierlich ihr Beobachtungslabor eröffnet. Es wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „StimtS – Stimulation oder Stress? Der Einfluss von Gruppenkonzepten auf Verhalten und Wohlbefinden junger Kinder in Kindertageseinrichtungen“ eingerichtet, welches am selben Tag erste Projektergebnisse vorstellte. Projekt und Beobachtungslabor wurden durch das Institut für angewandte Forschung (IFAF) Berlin finanziert.

StimtS untersuchte, welche Bedingungen das Spiel-, Interaktions- und Bindungsverhalten sowie das emotionale Wohlbefinden von ein- bis zweijährigen Kindern in einer Kindertagesbetreuung beeinflussen. Verhalten und Wohlbefinden sind Indikatoren dafür, ob sich ein Kind in der Kindertageseinrichtung emotional sicher fühlt, sich auf die vielfältigen Bildungsimpulse einlassen und davon profitieren kann. Bei der Analyse wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Auswirkungen unterschiedlicher Gruppenorganisationskonzepte gelegt, die aktuell in Kindertageseinrichtungen zu finden sind, z. B. altershomogene vs. altersgemischte Gruppen, kleine Gruppen vs. offene Arbeit in größeren Gruppenstrukturen.

Im Beobachtungslabor können Wissenschaftler_innen der Kindheitspädagogik die Handlungen von jungen Kindern und deren Bezugspersonen durch einen Einwegspiegel beobachten und genau auswerten. Außerdem übertragen vier Kameras die Situationen auf einen Monitor, wo diese dann im Nachgang analysiert und ausgewertet werden.

Ein Kernelement des gemeinsamen Forschungsprojekts der ASH Berlin und der Beuth Hochschule für Technik Berlin bestand in der Analyse videografierter Spielsequenzen von 140 Kindern. Diese Spielsequenzen wurden mit einer professionellen Auswertungssoftware im Beobachtungslabor analysiert.

Wie in ähnlichen anderen Untersuchungen erwiesen sich ca. zwei Drittel der Kinder, die an der Studie teilnahmen, als sicher-gebunden. Ein Drittel der Kinder wurde als unsicher-gebunden eingestuft. Erste Ergebnisse zeigen keinen Zusammenhang zwischen den Gruppenorganisationsformen und dem Bindungsstatus der Kinder. Weitere Auswertungen sollen den Zusammenhang zwischen Bindungsmuster und Wohlbefinden vertiefend betrachten.

Das Labor bietet zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten, sowohl für Forschungsanliegen als auch für die Lehre in den Studiengängen der ASH Berlin, wie z. B.:

  • Beobachtungs- und Dokumentationsübungen in der Frühpädagogik sowie Entwicklungsdiagnostik in der Entwicklungspsychologie oder
  • Analyse des Bindungs- und Spielverhaltens von Kindern sowie der Interaktionsqualität zwischen Kindern, Studierenden, Müttern/Vätern und pädagogischen Fachkräften oder
  • Übungen zu Beratungskontexten mithilfe von Videografie.

Weitere Informationen zum Beobachtungslabor:

www.ash-berlin.eu/studium/werkstattraeume/beobachtungslabor

Kontakt:

beobachtungslabor@ash-berlin.eu

 

(Dieser Beitrag erschien erstmals in der alice 36 im Wintersemester 2018/19.)