Neues Forschungsprojekt Ärztinnen und Ärzte in Migration

Studie über die Integration migrierter Ärzt_innen in deutsche Rehabilitationskliniken (ÄiM-R) gestartet

Vergrößern: Eine Frau im weißen Kittel und dunkler Hautfarbe arbeitet am Schreibtisch, vor ihr hängen Röntgenaufnahmen
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In vielen Regionen Deutschlands fehlen Ärztinnen und Ärzte, um offene Stellen in der stationären und ambulanten Versorgung zu besetzen. Besonders in strukturschwachen Räumen ist die allgemeinärztliche Versorgung gefährdet und dreiviertel aller Krankenhäuser haben laut einer Studie im Auftrag der deutschen Krankenhausgesellschaft Stellenbesetzungsprobleme. Auch hier sind die Probleme im ländlichen Raum größer als in verstädterten Gebieten oder Ballungsräumen.

Eine der Maßnahmen, die Krankenhäuser und Gemeinden ergreifen, um ambulante und stationäre Arztstellen zu besetzten, ist die Anwerbung und Einstellung von Ärzt_innen aus dem Ausland. Ob diese Ärzt_innen zeitlich begrenzt einen temporären Fachkräftemangel ausgleichen oder dauerhaft ein fester Bestandteil der ärztlichen Versorgung in Deutschland sein werden, ist eine bislang ungeklärte gesellschaftliche Frage. Unabhängig von der zeitlichen Perspektive ist es jedoch notwendig, die Integration ausländischer Ärzt_innen zu untersuchen und diesen Prozess für die migrierten Ärzt_innen, Teams und Patient_innen zu untersuchen und zu optimieren.

Stationäre Reha-Einrichtungen sind in besonderem Maße vom Ärztemangel betroffen. Zum einen sind sie häufig in ländlichen strukturschwachen Regionen angesiedelt, die weniger Ärzt_innen anziehen. Zum anderen ist die Tätigkeit in der Rehabilitation für den Ärztenachwuchs aus unterschiedlichen Gründen weniger attraktiv als eine Tätigkeit in der Akutmedizin. Daher sind Reha-Einrichtungen stärker als akutmedizinische Einrichtungen auf migrierte Ärzt_innen angewiesen.

Forschungsprojekt ÄiM-R im Februar 2017 gestartet

Das Forschungsprojekt ÄiM-R ist im Februar 2017 gestartet und untersucht aus verschiedenen Perspektiven (ÄiM, Team, Rehabilitand_innen) Erfahrungen bei Einarbeitung von ÄiM. Die zentralen Fragestellungen sind:

  1. Welche Maßnahmen der beruflichen Integration in Reha-Einrichtungen unterstützen die Integration?

  2. Welche Faktoren wirken sich hemmend auf die Integration aus?

  3. Wodurch zeichnen sich Best-Practice Beispiele aus?

  4. Wie können diese Erkenntnisse in der Einarbeitung von ÄiM genutzt werden?

Dazu werden qualitative Interviews mit migrierten Ärzt_innen, den Teams, in denen sie arbeiten, Rehabilitand_innen und Expert_innen in Reha-Einrichtungen durchgeführt. Zusammen mit Ergebnissen bisheriger Forschungen zur Integration von ÄiM in Deutschland sollen die Studienergebnisse Akteur_innen vor Ort dabei unterstützen, hemmende und fördernde Strukturen und Prozesse der Integration in ihren Einrichtungen zu identifizieren und anhand von Best-Practice Beispielen Verbesserungsmodelle anbieten. Avisiertes Ergebnis der Studie ist ein Einarbeitungsmanual zur besseren Integration von ÄiM in Reha-Einrichtungen, das eine systematische Einarbeitung von ÄiM in Reha-Einrichtungen unterstützt.

Das Projekt wird durch die Deutsche Rentenversicherung Bund gefördert und geleitet von Prof. Dr. Theda Borde und Dr. Patricia Hänel.

Kontakt: patricia.haenel@ avoid-unrequested-mailsash-berlin.eu